Druckschrift 
2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
Entstehung
Seite
87
Einzelbild herunterladen
 

Der alte Glasmaler kannte nur eine Malfarbe, eine Art Schwarz-loth. Diese Farbe bestand aus dem färbenden Stoff, dem Kupferoxyd,und aus zwei Schmelzmitteln, von welchen das eine ein bereits durchKupferoxyd grün, das andere ein mit Kobalt blau gefärbtes Glas war.Diese Mischung an sich würde eine bläuliche, kalte Farbe hervor-gebracht haben; da aber das Kupfer in einem Eisengefass kalzinirtwurde, verwandelte sich ein Theil dieses Oxyds in rothes Oxyd, welchesin Verbindung mit dem bläulichen Glase jene braune oder bräunlicheFarbe gab, welche wir an alten Glasgemälden wahrnehmen.

Mit dieser dunklen Farbe bemalte der Glasmaler die Glasstückesorgfältig nach den Linien, welche auf der Tafel vorgezeichnet standen.Manchmal geschah das Bemalen der Glasmosaikstücke aus freier Hand;wenn Theophil dies auch nicht ausdrücklich erwähnt, so darf man diesaus dem Umstande schliessen, dass bei Wiederholungen derselben Figur,wie wir das z. B. an den prächtigen Fenstern von Königsfelden beob-achten können, die Verbleiungsumrisse sich genau decken, dagegen dieEinzelheiten der Zeichnung, Gesichtszüge, Faltenwurf usw. von einanderabweichen. Auch Viollet-le-Duc hat diese Beobachtung u. a. an Fensternvon Le Mans gemacht (a. a. 0 . 382); desgleichen berichtet Winston(a. a. O. 142, Anm. 1 und 2), dass er dieselben Figuren nicht nur inverschiedenen Fenstern, sondern auch in ein und demselben angebrachtfand ! ). Uebrigens gestattet die häufig gute Anlage solcher Zeichnungenund ihre mangelhafte Durchführung einen Rückschluss auf Arbeits-theilung.

Bei Anbringung von Schriften auf dem Glase bedeckte man dieganze Glasfläche mit Farbe und radirte die Buchstaben aus dem Dunkelnheraus, indem man gleichsam mit dem Pinselstiel hineinschrieb * 2 ). EinVerfahren, durch welches die Schrift auf viel grössere Entfernung leser-lich blieb; bei grösserer Entfernung verschwindet schwarz aufgemalteSchrift gänzlich, sie wird von dem überfluthenden lucht verschluckt,während die aus dem Schwarz herausradirte Schrift noch leserlich bleibt

') Vgl. Caumont a. a. O. S. 519. „Ces cartons, qui devaient coüter beaucoupde peine et d’attention, etaient soigneusement conserves et servaient a la confection deplusieurs vitraux destines ä des dglises differentes. Aussi trouve-t-on, dans les vitresdu XIII. siede eloignees les unes des autres, les niemes sujets reproduils de la mememaniere et provenant des meines cartons.“ Siehe auch Lasteyrie und Le Vieil.

2 ) Cap. XIX. „De colore cum quo vitrum pingitur. — Tolle cuprum tenuepercussum, comburens in parvula patella ferrea, donec pulvis omnino sit, et accipeparticulas viridis vitri, et saphiri graeci, terens singulariter inter duos lapides por-firiticos, et commiscens haec tria simul, ita ut sit tertia pars pulvis, et tertia viride,tertiaque saphirum, teres pariter super ipsum lapidem cum vino vel urina diligentissime,et mittens in vas ferreum sive plumbeum, pinge vitrum cuin omni cautela secundumtractus, qui sunt in tabula. Quod si litteras in vitro facere volueris, partes illascooperies omnino ipso colore, scribens eas cauda pincelli.

87