um ihm zum Schlüsse noch die Ansicht Laba rte’s *) gegenüberzustellen.„Das io. Jahrhundert war derart von Schicksalsschlägen heimgesucht,und die schönen Künste, fast ohne jede Unterstützung seitens derFürsten, waren in einen solchen Zustand des Verfalles gerathen, dass esnicht wahrscheinlich ist, dass diese Epoche eine so wichtige Entdeckungwie die Glasmalerei hat entstellen lassen können. Soll man nicht viel-mehr annehmen, dass diese wunderbare Erfindung nur in einer Zeitder Wiederbelebung entstehen konnte; in einer Zeit, in welcher dieMenschheit den Unruhen des io. Jahrhunderts, welche jede Thätigkeit,jede Industrie gelähmt hatten, entronnen war und sich zu einem neuenLeben anschickte; in einer Zeit, in welcher die Menschen ohne Unter-schied ihre Kräfte um die Wette vereinten, um dem Herrn geweihteTempel zu erbauen, wiederherzustellen und zu verschönern; in einerZeit endlich, in welcher die Kunst sich neue Wege bahnte, sich einenneuen Stil schuf und sich anstrengte, originelle, bis dahin fremde Werkezu Tage zu fördern ? Wir haben oben bei der Beschreibung der Skulptur,der Goldschmiedekunst und der Miniaturmalerei festgestellt, dass dieersten Anregungen zur Rückkehr zu den künstlerischen Studien inDeutschland gegeben wurden, am Ende des io. Jahrhunderts, unter derRegierung Otto’s II. (f 983); müsste man nicht deshalb auch die Erfin-dung der Glasmalerei Deutschland zuerkennen? Ueber diesen Punktgibt es nichts Bestimmtes, aber nichtsdestoweniger ist es wahrscheinlich,dass diese Kunst unter Kaiser Otto II. in den Rheinlanden in’s Lebentreten musste“ * 2 ).
Labarte wundert sich allerdings mit Recht, dass in den Chronikenüber die Arbeiten eines Willigis, Erzbischof von Mainz (976 — ron), einesBernward von Hildesheim, eines Abtes Richard von Verdun (1004 —1046)nichts über Glasmalerei enthalten ist.
Trotzdem fährt Lab arte fort 3 ): „Es kann also erst gegen Endedes ersten Viertels des 11. Jahrhunderts gewesen sein, vielleicht erstgegen die Mitte, dass die Ausübung der Glasmalerei wirklich in Gebrauch
*) Labarte, Jules, Histoire des arts industriels au moyen äge etc. B. III,
S. 342.
-) „Nous avons etabli precedement, en traitant de la sculpture, de l’orfevrerieet de l’ornementation des manuscrits, que le mouvement de retour vers les etudesartistiques se produisit d’abord en Allemagne ä la fin du dixieme siede, sous leregne d’Othon II. (f 983); serait ce donc qu’il faudrait attribuer l’invention de lapeinture sur verre ä 1’Allemagne? II n’y a sur ce point rien de decisif, mais il estprobable neanmoins que cet a du prendre naissance sous l’empereur Othon II., dansles provinces du Rhin.“
3 ) Labarte III, S. 344. ,,11 y a lieu de croire aussi que ce fut dans les
provinces, qui avoisinent le Rhin que l’invention en a etdf a i t e.“
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