bildung in den Künsten und deren Verbreitung vorschrieb '), einfachefarbige Glasmosaiken als etwas Ungewohntes hinstellen konnte, dann istes unerfindlich, dass mit ihm das ganze Kloster vor dem Werk staunendund bewundernd gestanden habe. Dazu kommt, dass Abt Gozbert dieFenster ausdrücklich ein Werk nennt, „wie es uns weder aus den Zeitender Vorfahren kund geworden, noch wir selbst zu sehen hoffen durften“.„Wo in aller Welt findet sich eine Stätte, welche sich ähnlichen Schmuckeserfreute?“ schreibt der Abt * 2 ). Wenn auch in Tegernsee selbst die Fensternoch mit Tüchern verhangen waren, so müssen wir doch voraussetzen,dass Gozbert zweifelsohne Kunde von anderwärts vorhandenen Glas-mosaiken hatte.
Ohne den Vorwurf der durch übertriebene Vaterlandsliebe bedingtenParteilichkeit oder Voreingenommenheit fürchten zu müssen, glaubenwir die Worte per discoloria picturarum vitra mit Frantz, Gessertund vielen andern mit dem Begriff „Glasgemälde“ übersetzen zudürfen. Wir können demnach mit ziemlicher Gewissheit annehmen,dass gegen das Ende des io. Jahrhunderts in der That Glasfenster mitfigürlichen Darstellungen angefertigt wurden. Wenn man die mit dem4. Jahrhundert beginnenden Nachrichten über das Vorkommen durch-sichtiger Glasmosaiken, ferner die Mittheilungen über Münster undZürich berücksichtigt, dann erscheint Abt Gozbert’s Brief in ganz andererBedeutung. Dazu kommt die urkundlich belegte Thatsache, dass schonunter Abt Beringe r, dem Nachfolger Gozbert’s, eine Glashütte inTegernsee bestand, welche den Bestellungen auf Glasfenster nicht mehrgenügen konnte. „Die Pracht und Erleuchtung, welche die gemaltenFensterscheiben der Kirche zu Tegernsee verschafften, erzeugten wohlnoch unter dem Abt Gozbert den Gedanken, eine Glashütte bei Tegernseeanzulegen. Wirklich war sie schon bei seinem Nachfolger Beringer(1003 —1012) in einem für damalige Zeiten sehr blühenden Zustande,indem der Bischof von Freysing im Jahre 1005 und eine AebtissinBestellungen auf Glas machten“ 3 ).
'J Kegul. S. Benedicli cap. 48. Otiositas inimica est animae et ideo cerlisteinporibus occupari debent fralres in labore manuum, certis item horis in lectionedivina. Cap. 57. Arlifices si sunt in monasterio, cum omni humilitate faciant ipsas artes, sipermiserit abbas. cap. 66. Monasterium autem ita debet construi ut omnia necessaria,id est, aqua, molendinum, hortus, pistrinum, vel artes di versae intra monasteriumexerceantur.
3 ) Yergl. auch über Abt Gozbert kurze Angaben bei: Fiorillo, J. 1 )., Geschichteder zeichnenden Künste in Deutschland und den vereinigten Niederlanden. Hannover1815, B. 1 , S. 188, 198, 199.
3 ) Sebastian Giinthner, Geschichte der literarischen Anstalten inBayern S. 373, 374. Aus dem Brief an Bischof Gottschalk (994- 1006): Quod devitro petistis vel magis, ut decel, jubetis, nunc temporis paratum non habemus; sed
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