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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
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unter wie oftem Verwerfen misslungener Versuche gehörte dazu, bis dieGewissheit sich ergab, wie die Farben im Brennen sich verändern! Vonalledem ist hier nicht die Rede. Daslebenlange Studiren und Pro-biren muss doch einmal geschehen sein, vielleicht schon vor 876,vielleicht auch später, wenn nicht in Zürich, dann sicherlich anderswo.Beweist der Umstand,dass von alledem hier nicht die Rede istirgend etwas: Weshalb sollte in Zürich nicht möglich gewesen sein,

was Sepp bei Tegernsee stillschweigend als selbstverständlich voraus-setzt: Im Briefe des Abt Gozbert ist auchvon alledem nicht die

Rede. Zunächst liegt kein Grund vor, weshalb Ratpert in den Verseneine an sich langweilige Technik beschreiben sollte: Wenn wir aber,

wie Sepp, uns nur auf blosse Vermuthungen oder Voraussetzungen stützenwollten, würden wir sogar noch sagen, Mönch Ratpert schrieb seinemFreunde Notker nicht über die Einzelheiten der Technik, weil er die-selben bei diesem als hinreichend bekannt voraussetzte. Erwähnt dochL. Batissier ') unter Berufung auf Raoul Rochette, dass man imSchutte römischer Städte mehrere auf Glas gemalte Tafeln gefundenhabe, welche in die Wände eingelassen waren; allerdings gibt er nichtan, ob diese Tafeln gebrannt waren; wir wollen deshalb dieser Aus-lassung auch keine Beweiskraft beilegen und dieselbe nur der Merk-würdigkeit wegen anführen. Doch weiter! Sepp übersetztdepinxitmitmalte oder vielmehr, wie er kurz nachher erklärt,trug die Farbenselber auf, später (Seite 52) wiederholt er nochmals:Sie scheint imErnste selber gemalt zu haben. War es Sepp nicht bekannt, dassdas fecit auf und in alten Werken häufiger bedeutet: Hess anfertigen:Volmarus miles de Livenwerde me paravit kann man heute nochauf einem Glasgemälde der romanisch-gothischen Uebergangszeit zuLindena bei Dobrilugk lesen. Doch nehmen wir die unmittelbar vorher-gehenden, bei Sepp nicht wiedergegebenen Verse:

V i 1 i a.--

Praeclari (iermanorum Kegis C hin döuuiciAtque soror quondam Caroli nunc Caesaris altiXomine vel proprio clarissim^. Beretha templumStructura fecit pulchra paribusque columnisCaelatura insignibus, altis atque polytisSicque fenestrarum etc.

Wenn Seppdepinxit mit malte selber übersetzt, dann muss er folge-richtig dasfecit gleichmässig übersetzen miterrichtete selber. Nunstelle man sich das vor, wie die karolingische Prinzessin selber denTempel baut, ja vielleicht Steine und Säulen selbst mühsam herbei-

') L. Batissier, Ilistoire de lart monumental dans lantiquite et au moyenage. Paris 1S45, S. 633 u. f.