Liudgeri episc.opi Monasteriensis (f 809) die nachfolgende Stelle überdie Heilung einer Blinden: „Aurora jam rubescente et luce paulatim perfenestras irradiante imagines in eis factas monstrare digitocepit.“ Als bei beginnender Morgenröthe das Licht allmälig durchdie Fenster drang, begann sie (die Blinde) mit dem Finger auf die ind e n F e n s t e r n a n g e b r a c h t e n Bilder zu zeigen.
„Unter diesen Fensterbildern,“ sagt Nordhoff, „können doch wohleben so wenig mehr Glasmosaiken, als farbige Ornamente verstandenwerden, wie denn auch nach den Wörterbüchern das Wort imago einederartige Bedeutung nicht besitzt. Wir hätten dann Glasfenster mit
figürlichen Bildern darin, welche die Sehendgewordene unterscheidet.“
Dass demnach Bilder in den Fenstern enthalten waren, ist wohlnicht zu bezweifeln, ob dies aber mit Schmelzfarbe, mit Schwarzlothgemalte, aus verschiedenen Glasstückchen zusammengesetzte, musivischeGlasmalereien waren, lässt sich weder beweisen noch widerlegen. Ein-fache Malereien auf Glas mit andern, nicht einbrennbaren Farben
kommen sogar noch im späten Mittelalter vor, und wir werden ihnenselbst in unsern Zeiten noch begegnen 1 ).
Hier möge eine merkwürdige Notiz Platz finden, welche wir beiWestlake (a. a. O. I, 5. Anm. z) fanden. Mr. Nesbitt theilt in der von
Ms. lat. theol. qu. 162 aus dem XI. Jatirli., enthält aber nur den Anfang der Vita,
11 Blätter Pergament. Ms. lat. theol. fol. 323 stammt aus dem Anfänge des XII.
Jahrh., enthält die vollständige Vita mit 23 Gemälden, 39 Blätter, schmal Fol. Per-gament. Die oben angeführte Handschrift ist also nicht 864 abgefasst, sondern nureine- Abschrift eines altern Ms. Die erste Vita s. Liudgeri .auclore Altfrido Episcopowurde von Altfrid, Bischof von Münster, dem zweiten Nachfolger des h. Liudger, abge-fasst. (Altfrid regierte vom Jahre S39 — 22. April 849). — Die zweite Vita ist dieVita s. Liudgeri auctore anonymo, monacho Werthinensi, zuerst herausgegeben nacheiner Handschrift der Fuldaer Bibi, von Christoph Browerus in s. Werke: Sideraillustr. et sanctorum virorum, Moguntiae 1616 (S. 36—75); diese Vita II wurde voneinem Werdener Mönch verfasst, und zwar wie Hüsing (Augustin Hüsing, Vikar,d. h. Liudger, erster Bischof von Münster, Apostel der Friesen und Sachsen.Münster 1878, Tlieissing’sche Buchhandl. Seite X) nachweist, noch vor dem TodeAltfrids, vor 849; nur das II. Buch von cap. 26 an, ist später zugeschrieben, da hierWunder am Grabe des Heiligen (nach dem Jahre 864) geschildert werden. Bezüglichdes oben angeführten Vorganges schreibt Hüsing S. 148 u d 149: „Die Eltern einesjungen Mädchens aus Ballova, welches auf beiden Augen in Folge einer Krankheitblind geworden war, hatten verschiedentlich nach Hülfe gesucht. Schliesslich wendetensie sich nach Werden, wo sie Hülfe fanden. Während das Evangelium vor den laudesnach Sitte der Mönche verlesen wurde, erhielt nämlich das Kind plötzlich se : n Augen-licht wieder ; sie schaut die Lichter in der Kirche und bei einbrechender Morgenröthedas Tageslicht und erkennt die Bildwerke in den Fenstern. (Vit. II. 1. 2, c.29 1. c. p. 7.)
*) Die Ausführungen Gessert’s über die Erfindung der Glasmalerei (S. 22 und 23)können wir nicht anerkennen.
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