] )erselben Zeit gehören die Glasfenster der Reichena u an,welche Otte 1 ) für eine Butzenverglasung hält. „Auch wenn die Fensterdes Schmuckes der Glasmalereien entbehrten, suchte man ihre Flächendurch geschmackvolle Musterungen der Verbleiung zu beleben, begnügtesich indessen nöthigenfalls mit kleinen runden Butzenscheiben, die inReichenau schon unter Abt Liuthar (934—949) erwähnt werden. So,und nicht etwa von runden Fensteröffnungen sind wohl die Verse zumPreise jenes Abtes in der Reichenauer Handschrift (126 zu Karlsruhe)zu verstehen:
„llasce fenestellas jussit formare rotundasAbbas praeclarus, nomine Liulharius ;
Antea nam tenebris domus haec fuscata manebat,
Xec dederat domino lumina clarn suo.“
Ob wir hier in der That Butzen annehmen dürfen, ist doch gewagt.Allerdings wurden nach VioIlet-le-Duc schon sehr früh Glastafeln in derTechnik der Butzen hergestellt, wie denn auch Vande Velde sehr alteButzenscheiben, darunter auch solche von ovaler Form, aufführt.
Obgleich die Kunst der Glaserei erst spät nach Deutschlandgekommen war, so scheinen trotzdem die Deutschen bald in derselbenMeister geworden zu sein, denn verschiedene Nachrichten, auf welchewir noch zurückkommen werden, bestätigen uns, dass wiederholt I Jeutschezur Anfertigung von Glasfenstern in andere Länder berufen wurden.
Die verbindenden Bleie waren in dieser Frühzeit unbekannt undscheinen erst später, vielleicht im 10. Jahrhundert, angewandt worden zusein, obschon es scheinbar nicht recht begreiflich ist, wie man vorherohne dieses biegsame Verbindungsmaterial reichere ornamentale Mosaikenhat hersteilen können. Dass dies möglich und durchführbar war, davonkann man sich an den oberen Fenstern des Domes zu Mailand über-zeugen, wo die einzelnen Glasstücke der ornamentalen Glasmalereienohne Bleinetz unmittelbar in das Eisenwerk eingesetzt sind, dessenLinien sich nach dem Muster richten. Die früheste Mittheilung überdie Bleifassung gibt uns die Chronik von Monte Gas sin o. ln derBeschreibung der dortigen St. Benediktus-Kirche, welche der damaligeBenediktinerabt und spätere Papst Victor III. 1066 neu aufbaute, er-zählt Leo, Kardinal-Bischof von Ostia, dass die Fenster des Chors
eine geisterhafte Prozession durch eines der Fenster in die Kirche der h. Verenaschweben. Sie verfügen sich hierauf selbst zu andächtigem Gebet in die Kirche.
,,Deinde ab oratione surgentes.eam per quam prius tantae multitudinis
\ idebatur introitus diligenier circumquaque contemplabantur fenestram. Quae sicin\enta est solida atque perfecta, ul in his vitreis marginibus nullius fracturae vide-rentur vestigia.“
') Otte, Heinrich, Handbuch der kirchlichen Kunst-Archäologie desdeutschen Mittelalters. Leipzig 1883, B. I, S. 89 und 90.
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