Der Mysticismus.
357
beliebt. Offenbar gesellen sie es mit der Vorstellung der Be-wegungen des messelesenden Priesters und es erweckt in ihnendie Emotionen der Glaubensmystik. Sie verrathen diese Jdeen-Assoziation dadurch, daß sie „Isiit" häufig mitpriesterhaft, zusammen gebrauchen. Maeterlinck denkt außerdemfortwährend an Hospitäler mit Kranken und Allem, was da-mit zusammenhängt (Nonnen, Krankenkost, Arzeneien, wund-ärztliche Eingriffe, Verbände u. s. w.), an Kanäle mit Schiffenund Schwänen und an Prinzessinen. Die Krankenhäuser unddie Kanäle, die einen Zug in der belgischen Landschaft bilden,mögen mit ersten Eindrücken seiner Kindheit zusammenhängenund ihm deshalb Emotionen geben. Die Prinzessinen dagegen,die in Thürmen sind, die Hunger leiden, die sich verirren, diedurch Sümpfe waten u. s. w. sind ihm unverkennbar aus denkindischen Balladen der Präraphaeliten in der Einbildunghaften geblieben, von denen eine, die Swinburnesche, oben alsProbe wiedergegeben wurde. Hospitäler, Kanäle, Prinzessinen:das sind die Bilder, die mit der Hartnäckigkeit von Zwangs-vorstellungen immer wieder auftauchen und inmitten des Ne-belwustes seines Galimathias allein einigermaßen feste UmrisseZeigen.
Einige seiner Gedichte sind in der herkömmlichen poetischenForm geschrieben; andere dagegen haben weder Maß noch Reim,sondern bestehen aus Prosazeilen von willkürlich wechselnderLänge, nicht nach der Art der Goetheschen freien Gedichte oderder Heineschen Nordseelieder, die in sehr stark ausgeprägterrhythmischer Bewegung dahinwogen, sondern so taub, so hol-pernd und humpelnd wie die Aufzählung eines Inventars.Diese Stücke sind eine knechtische Nachahmung der ErgüsseWalt Whitman's, jenes wahnsinnigen Amerikaners, zu demMaeterlinck sich nach dem hier wiederholt festgestellten Gesetze,daß alle Gestörten einander zufliegen, nothwendig hingezogenfühlen müßte.