VI. Aarodieformen der Mystik.
Die künstlerischen und dichterischen Formen der Mystik,die wir bisher untersucht haben, können oberflächliche oder un-genügend belehrte Geister vielleicht über ihren Ursprung inder Entartung täuschen und sich für Kundgebungen echter, frucht-barer Begabung ausgeben. Neben ahnen kommen aber auchsolche vor, in denen sich ein Seelenzustand ausdrückt, der selbstden leichtgläubigsten, der Suggestion des gedruckten Wortesund der dreist auftretenden Marktschreierei zugänglichsten Leserdenn doch stutzen und den Kopf schütteln macht. Es tretenBücher und Lehren in die Oeffentlichkeit, denen auch der Laieden tiefen Geistes-Verfall ihrer Urheber anmerkt. Hier be-hauptet Einer, den Leser in die schwarze Kunst einzuweihenund selbst zaubern zu können, dort gibt ein Anderer bestimmten,von der Jrrenheilkunde klassifizirten Wahnvorstellungen dich-terische Gestalt, ein Dritter schreibt Bücher aus der Denk-und Empfindungsweise ganz kleiner Kinder oder Blödsinnigerheraus. Ein großer Theil der Werke, die ich hier im Augehabe, würde die Entmündigung ihrer Verfasser ohne Weiteresrechtfertigen. Da indeß trotz ihrer sichtlichen Verrücktheit diebekannten „Verständnißvollen" eifrig an der Arbeit sind, inihnen „Zukunft", „neue Nerven-Erregungen" und Schönheitengeheimnißvoller Art zu entdecken und sie mundaufsperrendenNachbetern als Offenbarungen des Genies aufzuschwatzen, soist es nicht überflüssig, ihnen eine kurze Betrachtung zuwidmen.