II. Die Sräraphaeliteu.
Der Mysticismus ist der gewöhnliche Zustand der Menschenund keineswegs eine außerordentliche Verfassung ihres Geistes.Ein kräftiges Gehirn, das jede Vorstellung zu voller Schärfeausarbcitet, ein starker Wille, der die mühselige Aufmerksamkeitaufrecht hält, sind seltene Gaben. Das Dämmern und Träu-men, das freie Schweifen der in den mäandrischen Bahnender Jdeen-Assoziation sich grillenhaft tummelnden Einbildungs-kraft erfordern weniger Anstrengung und werden deshalb derharten Arbeit des Beobachtens und verständigen Urtheilensweit vorgezogen. So ist das Bewußtsein der Menschen miteiner Ungeheuern Menge vieldeutiger Schatten-Vorstellungen er-füllt und in unzweifelhafter Klarheit sehen sie in der Regelblos die sich täglich wiederholenden Erscheinungen ihres engstenSelbst-Lebens und unter diesen namentlich die, welche Gegen-stand ihrer unmittelbaren Bedürfnisse sind.
Die Sprache, dieses große Hilfsmittel der Entwickelungdes menschlichen Denkens, ist keine ungemischte Wohlthat. Sieträgt in das Bewußtsein der meisten Menschen unvergleichlichmehr Dunkelheit als Helle. Sie bereichert ihr Gedächtniß mitKlängen, nicht mit gut umrissenen Bildern der Wirklichkeit-Das Wort, das geschriebene wie das gesprochene, erregt einenSinn, das Gesicht oder das Gehör, und löst eine Thätigkeitdes Gehirns aus. Das ist richtig. Es erweckt immer eineVorstellung. Auch eine Reihe musikalischer Töne thut das.Man denkt sich auch bei einem unbekannten Worte, bei Abra-