II. Symptome.
Mischen wir uns auf den Zierplätzen europäischer Groß-städte, auf den Spazierwegen vornehmer Badeorte, bei Abend-Empfängen reicher Leute unter die Menge und betrachten wirdie Gestalten, aus denen sie sich zusammensetzt.
Von den Frauen trägt die eine das Haupthaar rückwärtsglatt hinabströmcnd wie die Rafaelische Maddalena Doni in denUffizien von Florenz, die andere trägt es zu einem Stirn-wulst hoch aufgebaut wie Julia, Tochter des Titus, oder Plo-tina, die Gattin des Trajan auf den Büsten im Louvre, einedritte vorn kurz verschnitten, an den Schläfen und im Nackenlang wallend, gekräuselt und locker zerblasen nach der Mode desfünfzehnten Jahrhunderts, wie man sie bei Gentile Bellini,bei Botticelli, bei Mantegna an den Köpfen von Pagen undjungen Rittern dargestellt sieht. Bei vielen ist das Haargefärbt, und zwar so, daß es durch seine Auflehnunggegen das Gesetz des organischen Znsammenklanges überrascheund wie eine gewollte Dissonanz wirke, welche ihre Auflösung inder höhcrn Polyphonie der Gesammttoilette finden soll. Diesedunkelhäutige und schwarzäugige Frau schlägt der Natur einSchnippchen, indem sie ihr braun getöntes Gesicht kupferrothoder goldgelb umrahmt, jene blauäugige Schöne mit Milch- undBlut-Färbung steigert die Helligkeit ihrer Wangen durch eineEinfassung von künstlich blauschwarzen Locken. Diese bedecktihr Haupt mit einem mächtigen, schweren Filzhut, der mitseinem hinten aufgeklappten Rand und seinem Aufputz'"von