Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
348
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Der Mysticismus.

sich schließt, stehen bei solchen Naturen wie Peladan in eigen-thiimlichem Widerstreit. Das Unbewußte in ihm verwächstganz mit der Rolle eines Sars, Magiers, Gralsritters, Or-dens-Großmeisters u. s. w., die er sich erdichtet hat, das Be-wußte weiß, daß das Alles Unsinn ist, aber es findet künst-lerisches Gefallen daran und läßt das Unbewußte gewähren.So halten kleine Mädchen, die mit der Puppe spielen, sieliebkosen oder züchtigen, sie anscheinend für ein lebendes Wesenund behandeln sie als solches, und im Grunde sehen sie dochganz gut ein, daß sie nur ein Machwerk aus Leder und Por-zellan vor sich haben.

Peladans Urtheil hat keine Gewalt über seinen unbewußtenDrang. Es steht nicht in seinem Belieben, die Rolle einesSars oder Magiers aufzugeben oder nicht länger Ordens-Großmeister zu spielen. Er kann sich nicht enthalten, immerwieder auf seineandrogyne" Absurdität zurückzukommen.Alle diese Verirrungen, ebenso wie die für höhere Entartetekennzeichnende Erfindung neuer Worte und Vorliebe für Sinn-bilder, umständliche Titel und Schachtelsysteme von Vorreden,stammen aus den Tiefen seiner organischen Anlage und ent-ziehen sich der Einwirkung seiner höheren Zentren. In ihrembewußten Theil ist Peladans Hirnthätigkeit eine reiche undschöne. In seinen Romanen finden sich Seiten, die zu denprächtigsten gehören, welche eine zeitgenössische Feder geschriebenhat. Sein sittliches Ideal ist ein hohes und edles. Er verfolgtalles Niedrige, alles Gemeine, jede Form der Selbstsucht,der Falschheit, der Genußgier mit loderndem Haß . und seineGestalten sind durchweg vornehme Seelen, deren Denken sichblos mit den würdigsten, allerdings vorwiegend künstlerischen,Interessen der Menschheit beschäftigen. Es ist tief beklagens-werth, daß seine außerordentliche Begabung durch das Ueber-wuchern krankhaft mystischer Vorstellungen völlig unfruchtbargemacht wird.