Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
347
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Der Mysticismus. 317

VonParsifal" empfing. Er phantasirte sich in die Gralssagehinein, sah sich selbst als Gral-Hüter und erfand seinen Ordendes Rosenkreuzes, der ganz aus Anklängen anParsifal"zusammengefügt ist. Seine Erfindung des ungeschlechtlichenZwitterwesens zeigt, daß seine Einbildungskraft sich lebhaftmit Vorstellungen geschlechtlicher Art beschäftigt und unbewußtkonträre Sexualempfindungen" zu idealisiren sucht.

Das Seelenleben Peladans gestattet, an einem überausdeutlichen Beispiele die Wege des mystischen Denkens zu ver-folgen. Er ist ganz und gar von der Jdeen-Assoziation be-herrscht. Ein zufälliger Wortklang erweckt eine Gedankenreihein ihm, die ihn unwiderstehlich dazu drängt, sich als assyrischerKönig und Magier auszurufen, ohne daß seine Aufmerksam-keit im Stande wäre, ihm die Thatsache zu vergegenwärtigen,daß man Peladan heißen könne und deshalb doch nicht voneinem biblischen Beladan abstammen müsse. Der sinnlose Wort-fluß der mittelalterlichen Scholastiker verführt ihn, weil er sichfortwährend inanalogischem Denken" bewegt, das heißt weiler ausschließlich dem Spiele der von den unwesentlichsten,äußerlichsten Aehnlichkeiten angeregten Jdeen-Assoziation folgt.Er empfängt jede künstlerische Suggestion mit größter Leichtigkeit.Hört er Wagner'sche Opern, so glaubt er, eine Wagnersche Gestaltzu sein, liest er von Tempelrittern und Rosenkreuzern, so ister Großmeister der Templer und aller anderen Geheimorden.Er hat die besondere geschlechtliche Emotivität der höheren Ent-arteten und sie gibt ihm eine seltsame Fabelgestalt ein, die, zugleichkeusch und lüstern, die geheimen Kämpfe in seinem Bewußtseinzwischen den krankhaft gesteigerten Trieben und dem ihre Gefähr-lichkeiterkennenden Urtheile überraschend anschaulich verkörpert.

Glaubt Peladan an die Wesenheit seiner Wahnvor-stellungen? Anders gesagt: nimmt er sich selbst ernst? DieAntwort auf diese Frage ist nicht so einfach, wie Manchervielleicht meint. Die zwei Wesen, die jeder Menschengeist in