Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
342
Einzelbild herunterladen
 

342

Der Mysticismus.

Zeit und Raum hinaus, daß man den Eindruck nicht los wird,sie wollten sich kaltblütig über den Leser lustig machen.

Nur einer von all diesen Hexenmeistern ist sicher gutenGlaubens^ und weil er zugleich der geistig hervorragendsteunter ihnen ist, will ich mich mit ihm etwas eingehender be-schäftigen. Dieser eine ist Josephin Peladan. Er hat sichselbst den assyrischen KönigstitelSar" beigelegt und wirdallgemein so genannt; nur die Aemter geben ihm den Sar-Titelnicht, aber die erkennen ja in Frankreich überhaupt keine Adels-titel an. Er behauptet, er sei der Abkömmling der alten Magierund der Besitzer aller geistigen Vermächtnisse von Zarathustra,Pythagoras und Orpheus. Er ist überdies der unmittel-bare Erbe der Tempelritter und der Rosenkreuzer und hatbeide Orden verschmolzen und in neuer Form alsOrdendes Rosenkreuzes" wieder ausleben lassen. Er kleidet sich al-terthümlich in Atlaswämser von blauer oder schwarzer Farbe,er züchtet sein äußerst üppiges blauschwarzes Haupt- und Bart-haar in die Formen assyrischer Haartracht, er befleißigt sicheiner großen, steilen Handschrift von täuschend mittelalterlichemAnsehen, er schreibt am liebsten mit rother oder gelber Tinteund in der Ecke seines Briefpapiers ist als Abzeichen seinerWürde eine assyrische Königsmütze mit den drei vorn geöff-neten Schlangenwülsten abgebildet. Als Wappen führt erdas Sinnbild seines Ordens: im selber- und schwarzgespaltenenSchilde ein goldener Kelch mit darüber schwebender purpurenerRose, die zwei ausgebreitete Flügel hat und mit einem schwar-zen lateinischen Kreuze belegt ist. Ueberstiegen ist der Schildvon einem Kronenreif mit drei Pentagrammen als Zacken.Peladan hat eine Anzahl Komthure und Würdenträger (Groß-priore,"Archonten,"Aestheten") seines Ordens ernannt,der außerdemPostulanten" undGrammatiker" (Zöglinge)zählt. Er besitzt eine besondere Großmeister- und Sar-Tracht(in der sein lebensgroßes Bildniß von Alexander Seon ge-