Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
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Der Myslicismus.

Aufmerksamkeit, widersetzt sich also der Gedankenflucht hirn-schwacher Entarteter. Ein schwimmendes Rezitativ ohne Anfangund Ende dagegen stellt an den Geist keinerlei Anforderungen denn um das Versteckensspiel der Leitmotive kümmern sichdie meisten Zuhörer ja doch entweder gar nicht oder nur sehrkurze Zeit; man kann sich von ihm wiegen und treibenlassen und taucht beliebig aus ihm auf, ohne besondere Er-innerung, blos mit dem wollüstigen Gefühl, ein nerven-erregendes heißes Tonbad genossen zu haben. Die unendlicheMelodie verhält sich zur eigentlichen wie das launenhafte,tausendmal wiederholte, nichts Bestimmtes darstellende Ran-kenwerk einer maurischen Flächendekoration zu einem Genre-oder GeschichtsbildeMid der Morgenländer weiß von jeher, wiegünstig der Anblick seiner Arabesken demKes" ist, jenemTraumzustand, in welchem der Verstand eingelullt ist und dietolle Einbildungskraft allein als Herrin im Hause schaltet.

Wagners Musik weihte die deutschen Hysteriker in diegenußreichen Geheimnisse des türkischen Kef ein. Nietzsche magdarüber mit seiner idiotischen WortwitzeleiLnrsuin Bum-bum" und seinen Bemerkungen über den deutschen Jüngling,derAhnung" suche, spotten, die Thatsache ist nicht zu leugnen,daß ein Theil der Wagner-Gemeinde, derjenige Theil, der indas Theater krankhafte Mystik mitbrachte, bei ihm Befriedigungfand, da nichts so geeignet ist,Ahnungen," das heißt vieldeu-tige, schattenhafte Greuz-Vorstellungen, heraufzubeschwören wieeine Musik, die selbst aus nebeligen Gedanken-Schatten hervorge-wachsen ist.

Die hysterischen Frauen gewann Wagner sich zwar haupt-sächlich durch die geile Erotik seiner Musik, aber auch durchseine dichterische Darstellung des Verhältnisses vom Manne zurFrau. Nichts entzückt ein überspanntes Weib so sehr wie dä-monische Unwiderstehlichkeit beim Weibe und zitternde An-betung ihrer übernatürlichen Gewalt beim Manne. Anders