Der MysticismuS.
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als Friedrich Wilhelm I., der zornig ries: „Nicht fürchten solltihr mich, sondern lieben," möchten Frauen dieser Art am Liebstenjedem Manne zurufen: „Nicht lieben sollt ihr mich, sondernvoll Angst und Grauen vor mir im Staube liegen." FrauVenus, Brunhilde, Isolde und Kundry haben Wagner sehr vielmehr weibliche Bewunderung geworben als Elisabeth, Elsa,Senta und Gudrune.
Nachdem Wagner einmal Deutschland erobert hatte undder inbrünstige Glaube an ihn der erste Artikel im Katechis-mus der deutschen Vaterlandsliebe geworden war, konnte auchdas Ausland sich seinem Dienste nicht lang entziehen. DieBewunderung eines großen Volkes hat eine außerordentlicheUeberzeugungsgewalt. Selbst seine Verirrungen nöthigt es mitunwiderstehlicher Suggestion den anderen Völkern auf. Einer derHaupt-Sieger der deutschen Kriege ist Wagner gewesen. Sadowaund Sedan sind für ihn geschlagen worden. Zu dem Manne,den Deutschland für seinen National-Tondichter erklärte, mußtedie Welt, sie mochte wollen oder nicht, Stellung nehmen. Ertrat seinen Siegeszug um den Erdball gedeckt von der deutschenReichsflagge an. Die Feinde Deutschlands waren auch seineFeinde und das zwang selbst solche Deutsche, die ihm kühl ge-genüberstanden, dem Auslande gegenüber für ihn einzutreten.Ich schlage mir an die Brust: ich habe auch in Wort und Schriftden Franzosen gegenüber für ihn gestritten. Ich habe ihnauch gegen die Kuchenbäcker vertheidigt, die in Paris „Lohen-grin" auspfisfen. Wie soll man sich dieser Pflicht entziehen?Hamlet sticht nach der Tapete, wohl wissend, daß Polonius hin-ter ihr steht; da muß man ihm entschlossen zu Leibe gehen,wenn man ein Sohn oder Bruder von Polonius ist. Wag-ner hatte das Glück, den französischen Hamlets gegenüber dieRolle der Tapete zu spielen, die den Vorwand gab, nach Po-lonius-Deutschland zu stechen. Dadurch war jedem Deutschendie Haltung in der Wagner-Frage eisern vorgeschrieben.