Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
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Der Mysticismus.

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ihre Vorstellung erweckend, und gibt das an sich akustischeRauschen der Stromwellen, das Säuseln der Baumkronen undSingen der Waldvögel oder durch einen akustischen Parallelis-mus die optischen Bewegungserscheinungen des Tanzens üp-piger Frauengestalten, des Hinjagens wild schnaubender Rosse,des Loderns und Flackerns von Flammen u. s. w. wieder.Diese Schöpfungen sind nicht aus der Gemüthscrregung her-vorgewachsen, sondern durch äußere Eindrücke, durch die Sinneeingegeben, kein Lautwerden einer Empfindung, sondern eineWiderspiegelung, das heißt also etwas wesentlich Optisches.Wagners Musik, gerade wo sie am Besten ist, möchte ich mitdem Fluge der fliegenden Fische vergleichen. Ein erstaunlicherund blendender Anblick, und doch etwas Unnatürliches, unddoch eine Verirrung aus dem eigentlichen in das uneigent-liche Element, und namentlich etwas gänzlich Unfruchtbares,was weder den normalen Fischen noch den normalen Vögelnals Lehre dienen kann.

Wagner hat das selbst recht deutlich empfunden, er warmit sich darüber im Klaren, daß man auf der Grundlage seinerTonmalereien nicht weiter bauen kann. Denn angesichts derBestrebungen von Musikern, die gern eine Wagner-Schulegebildet hätten, klagt er/)daß jüngere Komponisten in un-verständiger Weise es ihm nachzumachen sich angelegen seinlassen."

Dieser angebliche Musiker der Zukunft ist also, wie unseine eingehende Betrachtung gezeigt hat, durch und durch einMusiker der Längstvergangenheit. Alle Züge seiner Begabungweisen nicht voraus, sondern weit hinter uns zurück. Atavis-mus ist sein Leitmotiv, das die Musik zu einem konventionellenLautsinnbilde hinabdrückt, Atavismus seine unendliche Melodie,welche die geschlossene Form zum verschwommenen Rezitativ

') Wagner,lieber die Anwendung der Musik auf das Drama." Ges.Schriften. Band 10, S. 242.