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Dcr Mysticismus.
Da er, namentlich mit vorschreitendem Alter, große Schwierig-keit empfand, richtige Melodien zu schaffen, so stellte er dieForderung der unendlichen Melodie auf.
Auch alle seine anderen musiktheoretischen Schrullen er-klären sich aus einem deutlichen Gefühle bestimmter Unzuläng-lichkeiten. Im „Kunstwerk der Zukunft" überhäuft er denKontrapunkt und die Konlrapunktisten, diese ledernen Schulfüchse,welche die lebendigste Kunst zu einer ausgedorrten, todten Ma-thematik herabwürdigen, mit beißend sein wollendem Spott,der wie ein Abklatsch der Schmähungen seines Meisters Scho-penhauer gegen die deutschen Professoren der Philosophie wirkt.Warum? Weil er als unaufmerksamer Mystiker, der demformlosen Träumen ergeben ist, durch die strenge Zucht undsicheren Regeln der Kompositionslehre, welche der lallenden Ton-Ursprache erst eine Grammatik gegeben und sie zu einem wür-digen Ausdrucksmittel der Gcmüthserregungen gesitteter Menschengemacht hat, sich unleidlich beengt fühlen mußte. Er erklärtdie reine Instrumental-Musik mit Beethoven für abgeschlossen,nach ihm keinen Fortschritt für möglich, die „musikalische De-klamation" für die einzige Bahn, auf der die Tonkunst sichnoch weiter entwickeln könne. Es mag sein, daß nach Beetho-ven die Instrumental-Musik Jahrzehnte oder Jahrhundertelang nicht fortschreiten wird. Er war ein so ungeheures Musik-genie, daß wir uns in der That schwer vorstellen können, wieer übertroffen oder auch nur erreicht werden soll. Man hatvon Lionardo, von Shakespeare, von Cervantes, von Goetheeinen ähnlichen Eindruck. Diese Genies sind ja auch wirklichbisher nicht überflügelt worden. Es ist auch denkbar, daßes Grenzen gibt, über die eine gegebene Kunst überhaupt nichthinaus kann, so daß ein sehr großes Genie ihr letztes Wortsagt und über es hinaus ein Fortschritt nicht möglich ist.Dann aber muß der Strebende demüthig sagen: „Besser alsder höchste Meister meiner Kunst kann ich es doch nicht machen