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Der Mysticismus.
kann, bei diesen Punkten zu verweilen. Aber eine Fähigkeit,die zu den nothweudigen Bestandtheilen der bühnendichterischenBegabung gehört, läßt sich ihm nicht absprechen: die der male-rischen Einbildungskraft. Sie ist bei ihm bis zur Genialitätgesteigert. Der Dramatiker Wagner ist eigentlich ein Historien-maler allerersten Ranges. Nietzsche (im „Falle Wagner")meint vielleicht dasselbe, wenn er ihn, ohne sich bei dieserwichtigen Feststellung aufzuhalten, zwischen „Magnetiseur" und„Sammler kleiner Nippsachen" obenhin einen „Freskenmaler"nennt. Das ist er in einem Maße wie kein anderer Bühnen-dichter des ganzen Weltschriftthums. Jede Handlung verkörpertsich ihm in einer Folge großartigster Bilder, die, wenn sie sogestellt sind, wie Wagner sie mit dem innern Auge gesehenhat, den Zuschauer überwältigen und Hinreißen müssen. DerEmpfang der Gäste im Wartburgsaal, das Auftreten undWegziehen Lohengrins im schwangezogenen Kahne, das Spie-len der drei Rhein-Töchter im Strome, der Zug der Götterüber die Regenbogen-Brücke nach der Asenburg, das Einbrechendes Mondlichts in Hundings Hütte, der Ritt der neun Walkü-ren über das Schlachtfeld, Brunhilde in der Waberlohe, derSchlußaustritt der „Götterdämmerung", wo Brunhilde sichaufs Roß schwingt und in den Scheiterhaufen sprengt, wäh-rend Hagen sich in den hochangeschwolleneu Rhein stürzt undam Himmel der Widerschein des Brandes der Götterburgaufflammt, das Liebesmahl in der Gralsburg, Titurels Lei-chenfeier und Amfortas Heilung sind Anblicke, denen nichtsnahekommt, was die Kunst bisher geschaffen hat. Nietzschenennt Wagner wegen dieser Begabung für das Erfinden un-vergleichlich großartiger Schauspiele einen „Komödianten."Das Wort ist nichtssagend und, insofern es immerhin einenBeigeschmack von Geringschätzung hat, ungerecht. Wagner istkein Komödiant, sondern ein geborener Maler. Wäre er eingesundes Genie mit geistigem Gleichgewichte gewesen, er wäre