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1 (1892)
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Der Mysticismus.

standen hat und sie mit manchmal nicht ungeschickter Flickschnei-ders: zu neuen Trachten zusammenstellt, in denen man dieLappen der alten Prachtstosfe und die Stücke der damaszirtenRüstungen wunderlich durcheinander gewürfelt und an einandergeheftet wiedererkennt. Diese Maskenanzüge dienen aber keinenWesen aus Fleisch und Blut zur Kleidung. Ihre Scheinbe-wegungen sind einzig von der Hand Wagners ausgeführt, diein die leeren Wämmser und Aermel, hinter die wallenden Schlep-pen und schlotternden Schauben gefahren ist und in ihnen epi-leptisch herumzappelt, um beim Zuschauer den Eindruck gespen-stischer Belebtheit dieser verschollenen Garderobe zu erwecken.

Wohl haben auch gesunde Genies an die Volksüberliese-rung oder an die Geschichte angeknüpft, wie Goethe mit demFaust" und demTasso." Aber welch ein Unterschied zwischender Art, wie der geistesgesunde und wie der entartete Dichterdas Vorgefundene, das Gegebene verwendet! Jenem ist es einGefäß, das er mit frischem, echtem Leben erfüllt, so daß derneue Inhalt das Wesentliche wird; diesem dagegen ist undbleibt die Schale die Hauptsache und seine eigene Thätigkeitbesteht höchstens darin, daß er sie mit dem Häckerling unsin-niger Redensarten vollstopft. Auch die großen Dichter nehmendas Kukuksvorrecht für sich in Anspruch, ihr Ei in ein fremdesNest zu legen. Aber der Vogel, der aus diesem Ei ausschlüpft,ist so viel größer, schöner und stärker als die ursprünglichenInsassen des Nestes, daß diese rettungslos verdrängt werdenund jener der Allembesitzer bleibt. Immerhin ist etwas Bequem-lichkeit, etwas Erfinduugsarmuth, etwas nicht ganz vornehmesRechnen auf vorbestehende Emotionen beim Leser mit dabei,wenn der große Dichter seinen neuen Wein in alte Schläuche füllt.Man kann ihm indeß die kleine Knickerei nicht hoch anrechuen,weil er doch so viel Eigenes gibt. Man denke sich vomFaust" alleBestandtheile des alten Volksbuches weg und es bleibt ungefährAlles, es bleibt der ganze suchende, erkenntnißdurstige Mensch,