Der Mysticismus.
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arbeiteten Säften nährt. Es gibt bescheidene und prächtigeSchmarotzer. Ihre Reihe geht von der unscheinbaren Flechtebis zur wunderbaren Rafflesia, deren meterbreite Bliithe in wilderblutrother Farbenherrlichkeit die dunkeln Wälder von Sumatradurchglüht. Die Dichtungen Wagners haben etwas von demAasgeruch und der unheimlichen Schönheit dieser Raub- und Ver-wesungs-Pflanze an sich. Sie sind mit der einzigen Ausnahmeder Meistersinger auf den isländischen Sögur, auf den Hel-dengedichten Gottfrieds von Straßburg, Wolframs von Eschen-bach und des Wartburgkrieg-Sängers der manessischen Hand-schrift wie auf ebenso vielen halb abgestorbenen Baumstämmenangesiedelt und ziehen aus ihnen ihre Kraft. „Tannhäuser",die „Nibelungen-Tetralogie", „Tristan und Isolde", „Par-sifal" und „Lohengrin" sind ganz und gar aus den Stoffengebildet, die das alte Schriftthum ihm geliefert hat. „Rienzi"schöpft er aus der papierenen Geschichte und den „FliegendenHolländer" aus der hundertmal bearbeiteten Ueberlieferung.Von den Volkssagen hat die des ewigen Juden wegen ihrerMystik den tiefsten Eindruck auf ihn gemacht. Einmal
hat er sie im „Fliegenden Holländer" verarbeitet, ein zweites-mal sie in der Gestalt Kundrys Zug für Zug ins Weiblicheübersetzt, nicht ohne in diese Umkehrung auch Anklänge andie Herodias'Sage Hineinspielen zu lassen. All das ist Flick-werk und Dilettantismus. Ueber seine Unfähigkeit, Menschenzu bilden, täuscht Wagner sich, wahrscheinlich unbewußt, da-durch hinweg, daß er eben keine Menschen, sondern Götterund Halbgötter, Dämonen und Gespenster darstellt, deren Hand-lungen sich nicht aus menschlichen Beweggründen, sondernaus geheimnißvollen Verhängnissen, Flüchen und Weissagungen,aus Schicksals- und Zaubergewalten erklären. Was inden Stücken Wagners vorgeht, das ist nicht Leben, sondernSpuk, Hepensabbath oder Traum. Er ist ein' Trödler,der aus zweiter Hand die abgelegten Märchengewänder er-