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1 (1892)
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Der Mysticismus.

der Liebe reißt alle Götter des Himmels in seinen eigenenUntergang mit.Tristan und Isolde" ist der Nachklang dieserTragödie der Leidenschaft. Auch hier die völlige Vernichtungdes Pflichtgefühls und der Selbstbeherrschung durch das Auf-schäumen der Liebe bei Tristan wie bei Isolde und auch hierder Tod als das natürliche Ziel, dem die Liebe zutreiben muß.Um seinen mystischen Grundgedanken auszudrücken, daß dieLiebe ein schauerliches Verhängniß ist, womit unnahbare Schick-salsmächte den armen, widerstandsunfähigen Sterblichen heim-suchen, bedient er sich eines kindlich unbeholfenen Mittels: erführt zaubergewaltige Liebestränke in seine Dichtungen ein,bald um das Entstehen der Leidenschaft selbst zu erklären undderen übermenschliche Natur zu kennzeichnen wie inTristanund Isolde," bald um das ganze Gemüthsleben des Heldender Leitung seines Willens zu entziehen und ihn als Spiel-ball außerirdischer Kräfte zu zeigen wie in derGötter-dämmerung."

So gestatten uns Wagners Dichtungen einen tiefen Blickin die Vorstellungswelt eines erotisch emotiven Entarteten. Sieverrathcn die wechselnden Seelenzustände der rücksichtslosestenSinnlichkeit, der Auflehnung des Sittlichkeitsgefühls gegen dieTyrannei der Begierde, der Niederlage des höhern Menschenund seiner verzweiflungsvollen Reue. Wagner war, wie be-reits erwähnt, ein Bewunderer Schopenhauers und seiner Phi-losophie. Er überredete sich mit seinem Meister, daß das Lebenein Unglück, das Nichtsein Heil und Glück sei. Die Liebe alsder immer wirkende Anreiz zur Erhaltung der Art und zurWeiterführung des Lebens mit allen es begleitenden Schmer-zen mußte ihm die Quelle aller Uebel, die höchste Weisheit undSittlichkeit aber der siegreiche Widerstand gegen jenen An-reiz, die Jungfräulichkeit, die Unfruchtbarkeit, die Verneinungdes Willens zum Gattungsdasein scheinen. Und während seinVerstand an diesen Anschauungen festhielt, zogen ihn seine