Der Mysticismus.
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zu stemmen. Siegmund sieht Sieglinde und hat nur nocheinen Gedanken: sie zu besitzen. Daß sie die Frau eines An-dern ist, ja daß er sie als seine eigene Schwester erkennt, hältihn keinen Augenblick lang ans. Diese Bedenken sind wieFlaum vor dem Sturme. Er bezahlt seine Wonnenacht amnächsten Morgen mit dem Tode. Denn ein Verhängniß istbei Wagner die Liebe stets und um ihren Pfuhl lohen immerdie Flammen der Hölle. Und da er die Bilder von Zerflei-schung und Vernichtung, welche die Vorstellung des Weibes inihm heraufbeschwört, nicht in Sieglinde selbst zur Erschei-nung gebracht hat, so verkörpert er sie besonders als die Wal-küren. Ihr Auftreten in dem Drama ist ihm psychologischesBedürfnis Die Züge, die in seinem Geiste nun einmal vomBegriffe Weib untrennbar sind und die er sonst in einer einzi-gen Gestalt vereinigt, sind hier getrennt und zu selbstständigenTypen gesteigert. Venus, Kundry, sind Verführerin und Zerstö-rerin in einer Person. In der „Walküre" ist Sieglinde blosdie Verführerin, die Zerstörerin aber wächst zu einer ganzenHorde von grauenhaften Reiterinen an, die das Blut derkämpfenden Männer trinken, beim Anblick der mörderischenStreiche schwelgen und wild jauchzend über das leichenbedeckteBlachfeld hinjagen.
„Siegfried", „Götterdämmerung", „Tristan und Isolde"sind genaue Wiederholungen des wesentlichen Inhalts der„Walküre". Es ist immer wieder die dramatische Verkörperungderselben Zwangsvorstellung von den Schrecken der Liebe.Siegfried sieht Brunhilde in ihrer Waberlohe und beide taumelnmit Liebeswuth einander sofort in die Arme, aber er hat seineBefriedigung mit dem Leben zu büßen und fällt unter demStahle Hägens. Der einfache Tod Siegfrieds genügt derEinbildungskraft Wagners nicht als die unvermeidliche Folgeder Liebe, das Verhängniß muß furchtbarer auftreten. DieAsenburg selbst flammt auf und der verderbende Sklave