Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
294
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Der Mysticismus.

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dem schrecklichen Weibe, das er in seinem innersten Wesen fühlteals Widerspiel ein engelhaftes Weib, das ganz Liebe, ganzHingebung, ganz Himmelsmilde ist, ein Weib, das nichts fordertund Alles gibt, ein Weib, das wiegt und streichelt und heilt,ein Weib mit einem Worte, wonach ein Unglücklicher lechzt,der sich flammenverzehrt in den weißglühenden Armen BelitsWindet. Wagners Elisabeth, Elsa, Senta, Gutrune sind über-aus lehrreiche Offenbarungen der erotischen Mystik, in denendie halb unbewußte Vorstellung nach Form ringt, daß dieRettung des geschlechtstollen Entarteten in der Reinheit, inder Enthaltung oder im Besitze eines Weibes läge, welches kei-nerlei Individualität, keinen Wunsch und keine Rechte hätte unddarum dem Manne nie gefährlich werden könnte.

In einer seiner ersten Dichtungen wie in seiner letzten,imTannhäuser" wie imParsifal", behandelt er den Vorwurfvom Kampfe des Mannes gegen die Verderberin, der Fliegegegen die Spinne, und legt auf diese Weise Zeugniß dafür ab,daß der Gegenstand durch dreiunddreißig Jahre, von seinemJünglings- bis zu seinem Greisenalter, nicht aufgehört hat,seinem Geiste gegenwärtig zu sein. ImTannhäuser" ist esdie schöne Teufelin Venus selbst, die den Helden bestrickt undmit der er um seiner Seelen Seligkeit verzweifelt zu ringenhat. Die fromme und keusche Elisabeth, dieses aus Mondschein,Gebet und Lied gewobene Traumwesen, wird seineErlöserin."ImParsifal" heißt die schöne Teufelin Kundry und der Noth,in die sie die Seele des Helden bringt, entgeht er nur dadurch,daß erder reine Thor" ist und daß er sich im Stande derGnade befindet.

In derWalküre" gibt Wagners Einbildungskraft sichungezügelt der Leidenschaft hin. Hier vergegenwärtigt er sich denbrünstigen Mann, der sich wild und toll seiner Begierde über-läßt, ohne Rücksicht auf Satzungen der Gesellschaft und ohne denVersuch, sich gegen den wüthenden Ungestüm seines Triebes