Der Mysticismus.
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soll, mit allen Mitteln verhindern, ihr Erlöser zu werden.Erliegt der Mann ihrem Zauber, so ist die Erlösung ohneihre Schuld, obgleich durch ihre Thätigkeit, vereitelt; widerstehtder Mann der Versuchung, so erlangt sie die Erlösung ohneihr Verdienst, weil trotz ihrer entgegengesetzten Anstrengung.Es ist unmöglich, ein zugleich unsinnigeres und unsittlicheresVerhältniß auszuhecken. Der Erlöser Parsifal endlich ist vomAnfang bis zum Schluß eine mystische Neuverkörperung vom„Hans im Glück" des deutschen Märchens. Alles gelingt ihmohne sein Dazuthun. Er zieht aus, einen Schwan zu tödten,und findet den Gral und die Königskrone. Sein Erlöserthumist kein Selbstopfer, sondern eine Pfründe. Es ist ein benei-denswerthes Ehrenamt, zu dem ihn die Gunst des Himmelsberufen hat — auf welche mächtige Empfehlung hin, das ver-räth Wagner nicht. Aber wenn man näher zusieht, so entdecktman noch Schlimmeres. Parsifal, der „reine Thor," ist einfachein Niederschlag verworrener Erinnerungen an die Christologie.Wagner, von den dichterischen Elementen der Lebens- undLeidensgeschichte des Heilands gewaltig ergriffen, hat denDrang empfunden, seine Eindrücke und Emotionen zu ver-äußerlichen, und er gestaltete den Parsifal, den er einige derergreifendsten Auftritte des Evangeliums erleben läßt und derihm unter der Hand, theilweise vielleicht ihm selbst unbewußt,zu einer zugleich albernen und frivolen Karikatur Jesu Christiwurde. Die Versuchung des Heilands in der Wüste wird indem mystischen Stücke zur Versuchung Parsifals durch Kundry.Der Auftritt im Hause des Pharisäers, wo die Sünderin demHeilande die Füße salbt, ist vollständig wiederholt: Kundrybadet und salbt Parsifal die Füße und trocknet sie ihmmit dem aufgelösten Haar und der „reine Thor" äfft dieWorte Christi: „Dir sind deine Sünden vergeben" in demAusrufe nach: „Mein erstes Amt verricht ich so: — die Taufenimm und glaub' an den Erlöser." Daß der gewöhnliche Theater-
Nordau, Enturtung. 10