gend einer ernstlichen Gefahr aus. Er muß sich zwar, als erin Klingsors Zaubergarten eindringt, mit dessen Rittern einwenig herumschlagen, aber die Balgerei ist ihm eher ein Vergnügenals eine Anstrengung, denn er ist sehr viel stärker als seine Geg-ner und jagt sie nach spielendem Fechtgange blutig geschlagen indie Flucht. Der Schönheit Kundrys widersteht er allerdingsund das ist verdienstlich, aber eine Handlung zerstörender Selbst-aufopferung ist es doch wohl kaum. Den wunderthätigen Speererlangt er überhaupt ohne jede Anstregung. Klingsor schleudertihn nach ihm, um ihn zu tödten, aber die Waffe „bleibt überseinem Haupte schweben" und Parsifal hat nur die Hand auszu-strecken, um sie gemächlich an sich zu nehmen und dann seineSendung zu erfüllen.
Jeder einzelne Zug in diesem mystischen Stücke steht ingeradem Gegensätze zum christlichen Erlösungsgedanken, der esdoch angeregt hat. Amfortas ist durch eigene Schwäche undSchuld, nicht durch ein unüberwindliches Verhängniß erlösnngs-bedürftig geworden und er wird erlöst, ohne daß er etwasanderes dazu thut als winseln und stöhnen. Das Heil, daser erwartet und das ihm schließlich wird, wurzelt gänzlich außer-halb seines Willens und Bewußtseins. Er hat keinen An-theil an seiner Erlangung. Ein Anderer erwirkt es ihm undreicht es ihm als Geschenk. Die Erlösung ist etwas reinÄußerliches, ein zufälliger Glücksfund, nicht ein Preis innernsittlichen Ringens. Noch ungeheuerlicher sind die Bedingungender Erlösung Kundrys. Ihr ist es nicht nur nicht gege-ben, selbst an ihrem Heile zu arbeiten, sie muß sogar ihreganze Willenskraft dazu verwenden, um ihr eigenes Heil zuvereiteln. Denn ihre Erlösung hängt davon ab, daß einMann sie verschmäht, und ihre Aufgabe, zu der sie verfluchtwurde, ist gerade, alle Verführungsgewalt der Schönheit undleidenschaftlichen Liebeswerbung aufzuwenden, um den Mannzu gewinnen. Sie muß den Mann, der ihr Erlöser werden