Der Mysticismus.
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findet sich ein mehr oder weniger mächtiger Bodensatz vonentstellten Lehren des Katechismus und auf seinen üppigstenGemälden schimmern zwischen den dicken, grellen Farben selt-same, kaum kenntliche Züge hervor, welche vcrrathen, daß sieauf einen blassen Untergrund von Evangelien-Erinnerungenbrutal gepinselt sind.
Ein Gedanke, oder richtiger ein Wort, ist ihm besonderstief im Geiste haften geblieben und verfolgt ihn sein ganzesLeben lang als eine förmliche Zwangsvorstellung: nämlich dasWort „Erlösung." Freilich hat es bei ihm nicht den Werth,den es in der Sprache der Theologie besitzt. Dem Gottes-gelehrten bedeutet die „Erlösung", diese Mittelpunkts-Vor-stellung der ganzen christlichen Lehre, die Großthat übermensch-lich gesteigerter Liebe, die freiwillig höchstes Leid auf sich nimmtund freudig erduldet, um die Menschen, deren eigene Kraftdazu nicht ausreicht, aus der Gewalt des Bösen zu befreien.So verstanden, hat die Erlösung drei Voraussetzungen. Manmuß erstens den in der Zend-Religion am deutlichsten ent-wickelten Dualismus in der Natur, den Bestand eines bösenund eines guten Ur-Prinzips annehmen, zwischen welche dieMenschheit gestellt ist und welche diese einander streitig machen;zweitens muß der zu Erlösende von bewußter und gewollterSchuld frei, er muß ein Opfer übermächtiger Gewalten sein,die abzuwehren er selbst unfähig ist; drittens muß der Er-lösende, damit seine That eine wirkliche Heilsthat sei undbefreiende Kraft erlange, sich in der Erfüllung einer klar er-erkannten und gewollten Sendung selbst opfern. Zwar hatsich manchmal eine Neigung geltend gemacht, die Erlösung sichals eine Gnade zu denken, die auch Sündern, nicht blosOpfern, zntheil werden kann, doch hat die Kirche immer dieUnsittlichkeit einer solchen Auffassung erkannt und ausdrücklichgelehrt, daß der Schuldige, wenn ihm Erlösung werden soll,sich selbstthätig — durch Reue und Buße — um sie bemühen