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Der Mysticismus.
Opern öffentlich aufgesührt werden können, ohne das tiefsteAergerniß zu erregen. Wie unverdorben müssen Frauen undMädchen sein, wenn sie im Stande sind, diese Stücke anzu-sehen, ohne feuerroth zu werden und vor Scham in die Erdezu sinken! Wie unschuldig sind selbst die Gatten und Väter,welche ihren weiblichen Angehörigen gestatten, zu diesenDarstellungen von Lupanar-Borgängen zu gehen! Offenbardenken sich die deutschen Zuschauer nichts Arges bei dem Thunund Gehaben der Wagner'schen Gestalten, sie scheinen nicht zuahnen, von welchen Gefühlen diese erregt sind und welche Ab-sichten ihre Worte, Geberden und Handlungen bestimmen, unddas erklärt die friedsame Harmlosigkeit, mit der sie Bühnen-Auftritten folgen, bei denen in einem minder kindlichen PublikumNiemand das Auge zum Nachbar zu erheben wagen würde undseinen Blick ertragen könnte.
Verliebte Erregung nimmt in Wagners Darstellung immerdie Form einer verrückten Raserei an. Die Liebenden be-nehmen sich in seinen Stücken wie toll gewordene Kater, diesich über eine Baldrian-Wurzel in Verzückung und Krämpfenwälzen. Sie spiegeln den Geisteszustand des Dichters wider,der dem Fachmann wohlbekannt ist. Es ist eine Form desSadismus. Es ist die Liebe der Entarteten, die in der ge-schlechtlichen Aufwallung zu wilden Thieren werden. Wagner
') In einem Buch über Entartung ist es nicht möglich, das Gebietder Erotik, das gerade die bezeichnendsten und auffallendsten Entartungs-Erscheinungen in sich schließt, ganz zu umgehen. Ich verweile aber grund-sätzlich möglichst wenig darin und will deshalb zur Kennzeichnung deserotischen Wahnsinns Wagners nur eine klinische Arbeit ansühren: Or. PaulAubry, Observation ä'Oxorioiäs et äs lidsrioiäe snivis än suieiäeän wenrtrisr. .^robives äs l'kntbroxioloKis criminelle, lome VII,S. 826: „Diese Störung" (der erotische Wahnsinn) „ist durch eine un-faßbare Wuth der Begierde im Augenblicke der Annäherung charakterisirt."Und in einer Anmerkung zum Bericht über den Mord, den der von Aubrybeobachtete erotische Wahnsinnige, ein Professor der Mathematik an einem