Der Mysticismus.
279
unter den Einrichtungen der Gesittung entweder unwesentlicheoder geradezu zweckmäßige, um sich gegen sie zu empören. SeinGrimm hat lächerlich unbedeutende Ziele oder tobt ins Blaue.An eine Besserung denkt er überhaupt nicht ernstlich oder erheckt Weltbeglückungspläne aus, deren Verrücktheit verblüffendist. Seine Grundstimmung ist dauernde Wuth gegen Allesund Jeden, die sich in giftigen Redensarten, wilden Drohungenund der Zerstörungssucht rasender Thiere kundgibt. Wagnerist ein gutes Beispiel dieser Gattung. Er möchte die „Staats-und Kriminalkultur," wie er sich ausdrückt, zermalmen. Worinoffenbart sich ihm aber die Verderbtheit der Gesellschaft unddie Unhaltbarkeit aller Zustände? Darin, daß Opern mithüpfenden Arien gespielt und Ballete aufgeführt werden! Undwie soll die Menschheit zu ihrem Heil gelangen? Indem siedas Musikdrama der Zukunft ausführt! Eiue Kritik dieses All-Heil-Planes verlangt man hoffentlich nicht von mir.
Wagner ist erklärter Anarchist. Er entwickelt die Lehredieser Sekte deutlich im „Kunstwerk der Zukunft" (S. 217):„Alle Menschen haben nur ein gemeinschaftliches Bedürs-niß, . . . das ist das Bedürfniß zu leben und glücklichzu sein. Hierin liegt das natürliche Band aller Menschen. . .Die besonderen Bedürfnisse, wie sie nach Zeit, Ort und In-dividualität sich kundgeben und steigern, können in dem ver-nünftigen Zustande der zukünftigen Menschheit allein die Grund-lage der besonderen Vereinigungen abgeben. . . Diese Ver-einigungen werden gerade so wechseln, neu sich gestalten, sichlösen und wiederum knüpfeu, als die Bedürfnisse wechseln undwiederkehren, i)" Er verhehlt nicht, daß dieser „vernünftige
') Vergleiche auch in „Das Bühnenweihfestspiel in Bayreuth 1882"(„Gesammelte Schriften", Band lO, S. 884): „Dies" (die „sichere Aus-führung aller Vorgänge auf, über, unter, hinter und vor der Bühne")„leistet die Anarchie, indem ein Jeder thut, was er will, nämlich" (!) „dasRichtige."