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Der Mysticismus.
oberflächlich hinhuscht, nicht den Gedanken des Verfassers, son-dern eine Spiegelung ihrer eigenen schweifenden Träumereien.Wer liebevoll beobachtend in Kinderstuben igelebt hat, der mußhäufig das Spiel gesehen haben, das darin besteht, daß einKind ein Buch oder ein Stück bedrucktes Papier nimmt, essich, meist verkehrt, vors Gesicht hält und ernsthaft darausvorzulesen beginnt, manchmal die Geschichte, die ihm seineMama gestern vor dem Einschlafen erzählt hat, häufiger dieEinfälle, die ihm eben durchs Köpfchen schwirren. Das istungefähr das Verfahren jener gesegneten Leser, die Alles ver-stehen. Sie lesen nicht aus den Büchern heraus, sondern indie Bücher hinein und für den Verlauf und das Ergebnißdieser Geistesthätigkeit ist 'es allerdings ungefähr gleichgiltig,was der Verfasser thatsächlich gedacht und gesagt hat.
Das Unzusammenhängende des von augenblicklichen Er-regungen bestimmten Denkens Wagners gibt sich durch seinebeständigen Widersprüche kund. Einmal (S. 187) erklärt er:„Der höchste Zweck des Menschen ist der künstlerische, derhöchste künstlerische das Drama", und in einer Fußnote (S.194) bricht er in den Ruf aus: „Alles hören und sehen dieseGemüthlichen gern, nur nicht den wirklichen, unentstell-ten Menschen, der mahnend am Ausgange ihrer Träumesteht. Gerade diesen müssen wir nun aber in denVordergrund stellen." Es leuchtet ein, daß die eineBehauptung der andern schnurstracks entgegcntritt. Der „künst-lerische," „dramatische" Mensch ist nicht der „wirkliche" undwer es als seine Aufgabe erkennt, sich mit dem wirklichenMenschen zu beschäftigen, der wird unmöglich die Kunst als„den höchsten Zweck des Menschen" anerkennen und seine„Träume" als seine vornehmste Thätigkeit achten.
An einer Stelle (S. 206) sagt er: „Wer also wird derKünstler der Zukunft sein? Ohne Zweifel der Dichter.Wer aber wird der Dichter sein? Unstreitig der Darsteller.