Der Mysticismus. 275
so verwickelte er sich in den Unsinn, von einer „Thätigkeit desGehirns ohne Herzthätigkeit," von einer „Verwandtschaft desVerstandes mit dem ganzen Leibe durch das Herz" u. s. w.zu sprechen, und gelangte schließlich zu der reinen Faselei, den„Ton" „das Organ des Herzens" zu nennen.
Er will den recht einfachen Gedanken ausdrücken, daß dieMusik nicht bestimmte Vorstellungen und Urtheile, sondern nurGefühle allgemeiner Art vermitteln könne, und spinnt zu diesemZwecke folgenden Galimathias aus (S. 88): „Sie vermag .. .nun und nimmermehr den sinnlich und sittlich bestimmten Men-schen aus sich allein zur genau wahrnehmbaren unterscheidendenDarstellung zu bringen; sie ist, in ihrer unendlichen Steigerung,doch immer nur Gefühl; sie tritt im Geleite der sittlichenThat, nicht aber als That selbst ein; sie kann Gefühle undStimmungen neben einander stellen, nicht aber nach Noth-Wendigkeit eine Stimmung aus der andern entwickeln; — ihrfehlt der moralische Wille (!)."
Man versenke sich auch noch etwa in diese Stelle (S. 159):„Genau nur in dem Grade als das Weib bei vollendeterWeiblichkeit, in seiner Liebe zu dem Mann und durch seinVersenken in sein Wesen, auch das männliche Element dieserWeiblichkeit entwickelt und mit dem rein weiblichen in sichzum vollkommenen Abschlüsse gebracht hat, somit in dem Gradeals sie dem Manne nicht nur Geliebte sondern auch Freundist, vermag der Mann schon in der Weibesliebe volle Befrie-digung zu finden."
Wagners Bewunderer versichern, daß sie diese Aneinan-derreihung aufs Gerathewohl zusammengeschobener Worte ver-stehen. Sie finden sie sogar bemerkenswerth klar! Das solluns aber nicht Wunder nehmen. Leser, die aus Schwachsinnoder Flüchtigkeit unfähig sind, aufmerksam zu sein, verstehenimmer Alles. Für sie gibt es weder Dunkelheit noch Unsinn.Sie suchen eben in den Worten, über die ihr zerstreuter Blick
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