Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
269
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Der Mysticismus.

26 S

Buch ganz oder theilweise mit wenig verschiedenen Worten einzweites und drittes Mal schreiben wollen, selbst dann nicht,wenn er in späteren Jahren zur Einsicht gelangt, daß es ihmnicht geglückt ist, dafür die zulängliche Form zu finden. Derverworrene Graphomane dagegen kann in seinem Buche, wennes fertig vor ihm liegt, nicht den befriedigenden Ausdruckseiner Gedanken erkennen und er wird immer wieder versuchtsein, eine Arbeit von vorn anzufangen, die aussichtlos ifflweil sie darin bestehen soll, formlosen Vorstellungen eine festesprachliche Form zu geben.

Der Grundgedanke desKunstwerks der Zukunft" istdieser: Die erste und ursprünglichste Kunst war die Tanzkunst^ihr eigentliches Wesen ist der Rhythmus und dieser hat sichzur Musik entwickelt; die Musik, aus Rhythmus und Ton be-stehend, hat ihr Lautelemcnt zur Sprache gesteigert (Wagnersagt:verdichtet") und die Dichtkunst erzeugt; die höchsteForm der Dichtkunst ist das Drama, das sich zum Zwecke desBühnenbaues die Architektur und zur Nachahmung des Schau-platzes menschlicher Handlungen, der Landschaft, die Malereizugesellt hat; die Bildhauerei endlich ist nichts als das Fest-halten der Erscheinung des Schauspielers in todter, starrerForm und die Schauspielerei die eigentliche, lebendig bewegteund fließende Bildhauerei. So gruppiren sich alle Künste umdas Drama und dieses sollte sie naturgemäß vereinigen. Sietreten indeß gegenwärtig gesondert auf, zum großen Schadenfür jede von ihnen und für die Kunst im Allgemeinen. Diesegegenseitige Entfremdung und Vereinzelung der verschiedenenKünste ist ein Zustand der Unnatur und des Verfalls unddas Bestreben der echten Künstler muß sein, wieder den natür-lichen und nothwendigen Anschluß an einander zu gewinnen.Die wechselseitige Durchdringung nnd Verschmelzung allerKünste zu einer einzigen Kunst wird das echte Kunstwerk geben.Das Kunstwerk der Zukunft ist 'also ein Drama mit Musik