Der MysticismuZ.
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Magnat) hat ein erschütterndes Bild von den Kämpfen ge-geben, welche die leidenschaftliche Begierde nach der Flascheund der Ekel, das Entsetzen vor ihr im Geiste des an Trunk-sucht Leidenden einander liefern. Der Geist des Erotomanenist der Schauplatz ähnlicher, nur wahrscheinlich noch stärkererKämpfe. Diese führen manchmal den Unglücklichen, der keinanderes Mittel sieht, seinen geschlechtlichen Zwangsvorstellungenzu entgehen, bis znr Selbstverstümmelung. Es gibt bekannt-lich in Rußland eine ganze Sekte von Entarteten, die Skoptzi,bei denen diese systematisch geübt wird, als das einzige wirk-same Verfahren, dem Teufel zu entgehen und selig zu werden.Pozdnischeff in der „Kreutzer-Sonate" ist ein Skopetz, ohne eszu wissen, und die Geschlechtsmoral, die Tolstoi in dieser Er-zählung nud in den theoretischen Schriften lehrt, ist der schrift-stellerische Ausdruck der Sexual-Psychopathie der Skoptzen.
An dem Welterfolge der Schriften Tolstois hat dessen hoheDichterbegabung ohne Zweifel einen Antheil. Aber nicht dengrößten. Denn wie wir zu Anfang dieses Kapitels gesehenhaben, waren es nicht seine künstlerisch bedeutendsten Schö-pfungen, die Werke seiner besten Jahre, sondern seine späterenmystischen Arbeiten, die ihm seine Gemeinde geworben haben.Diese Wirkung erklärt sich nicht aus ästhetischen, sondern auspathologischen Gründen. Tolstoi wäre unbeachtet geblieben wieirgend ein Knudsen des siebzehnten Jahrhunderts, wenn seineSchwärmereien eines entarteten Mystikers nicht die Zeitgenossenzu ihrer Aufnahme vorbereitet gefunden hätten. Die weit ver-breitete Erschöpfungs-Hysterie war der nothwendige Boden, ausdem allein der Tolstoismus gedeihen konnte.
Daß die Entstehung und Ausbreitung des Tolstoismusnicht ans den innern Gehalt der Schriften Tolstois, sondern
') V. Llatzman, Devons eliuiiiues snr ia Dipsomanie, kaltes L t'^sitsLailNs-^-Lns. Reeueiitiss er pabliöss xar LI. ts Dr. Llareel Liianä.Paris, 1884.