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Der Mysticismus.
um das Glück der Menschheit herbcizuführcn." Und weiterhin:„Voll von seiner Liebe für die Menschheit erfaßt der geistes-schwache Kranke ohne Bedenken die soziale Frage bei ihrenschwierigsten Seiten und löst sie zuversichtlich durch eine Reihegrotesker Erfindungen." Diese unverständige, nicht vom Ur-theil geleitete Nächstenliebe, die Turgenjeff mit richtiger Ahnung,wenn auch unrichtiger Bezeichnung, „hysterisch" nannte, ist nichtsAnderes als eine Erscheinungsform jener Emotivität, die fürMorel den Grundcharakter der Entartung bildet. An dieserDiagnose kann die Thatsache nichts ändern, daß Tolstoi dasGlück gehabt hat, während der letzten Hungersnoth eine höchstwirksame und aufopferungsvolle Hilfsthätigkeit zur Linderungdes Elends seiner Landsleute entfalten zu können. Der Falllag einfach. Die Noth der Mitmenschen hatte die ursprüng-lichste Form: die des Mangels an Leibesnahrung. Die Nächsten-liebe konnte sich ebenfalls in ihrer ursprünglichsten Form be-tätigen: in der der Verthcilung von Speise und Kleidung.Eine besondere Urteilskraft ein tieferes Verständniß des Be-dürfnisses der Mitmenschen war da nicht nöthig. Und daßTolstois Veranstaltungen zur Unterstützung der Leidenden wirk-samer waren als die der Behörden, beweist nur die Stumpfheitund Unfähigkeit dieser letzteren.
Auch die Stellung Tolstois zum Weibe, die dem gesundenMenschenverstände unbegreiflich bleiben muß, wird im Lichteder klinischen Erfahrung ohne Weiteres verständlich. Es isthier bereits wiederholt darauf hingewiesen worden, daß dieEmotivität der Entarteten in der Regel eine erotische Färbunghat, weil die Geschlechtszentren bei ihnen krankhaft verändertsind. Die anormale Erregbarkeit dieser Theile des Nervensy-stems kann sowohl eine besondere Hinneigung zum Weibe alsauch eine besondere Abneigung gegen das Weib zur Folge haben.Das Gemeinsame, das diese entgegengesetzten Wirkungen einesund desselben organischen Zustandes verknüpft, ist die bestän-