Der Myslicismus.
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Lar ist, weil keine Antwort, kein Aufschluß sie befriedigen kann.Denn es leuchtet ein, daß auch ein noch so klares, noch soerschöpfendes „Darum" ein aus dem Unbewußten stammendesmechanisch-impulsives „Warum" nie verstummen machen kann.
Eine besondere Erscheinungsform der Zweifel- und Grübcl-Sucht ist die Widcrspruchswnth und die Neigung zu absonder-lichen Behauptungen, die von manchen Klinikern, z. B. Sollier'),als ein eigenes Stigma der Entartung verzeichnet wird. Sieist bei Tolstoi zu gewissen Zeiten stark aufgetreten. „In demStreben nach Selbstständigkeit", berichtet Löwenfeld-), „gingTolstoi manchmal über die Grenzen des Geschmacks hinaus,indem er das Hergebrachte bekämpfte, blos weil es hergebrachtwar. So nannte er . . . Shakespeare einen Dutzend-Skribentenund behauptete, die Bewunderung . . . für den großen Briten. . . habe eigentlich keine andere Ursache als die Gewohnheit,fremde Meinungen gedankenlos nachzubeten.«
Was man an Tolstoi mit am rührendsten und bewunderns-werthesten findet, das ist seine grenzenlose Nächstenliebe. Daßsie in ihren Voraussetzungen und Kundgebungen unsinnigist, habe ich schon oben gezeigt. Hier aber habe ich nachzu-weisen, daß sie ebenfalls ein Entartungs-Stigma ist. Dergeistesklare, gesunde Turgenjeff hat, ohne die Erfahrungen derIrrenärzte zu kennen, aus seiner natürlichen Empfindung her-aus „die innige Liebe Tolstois zu dem bedrückten Volke," wieLöwenfeldZ sagt, „spöttisch" „eine hysterische genannt." Wirwerden sie bei vielen Entarteten wiederfinden. „Im Gegen-sätze zum selbstsüchtigen Geistesschwachen," lehrt Legrain^),„haben wir den Geistesschwachen, der gut bis zur Uebertreibung,der menschenliebend ist, der tausend absurde Systeme aufbaut,
') Sollisr, ?» 7 vdolo-ris äs I'Iäiot st äs t'Imdsüls.
2) Löwenfcld, a. a. O. S. 100.
y Löwenfcld, a. a. O. S. 47.
-y lEAi'niu, Du äsllrs odsL Iss äö^snerss. S. 28, 195.
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