Der Mysticismns.
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rarisches sogenanntes „Wissen" und persönliche Empfindungennicht entfernt ausreichen. Löwen selb rühmt sich seiner Fähig-keit, Großes zu bewundern. Er hat vielleicht Unrecht, dieseFähigkeit nicht auch bei Anderen vorauszusetzen. Was geradezu beweisen wäre, das ist, daß das, was er bewundert, auch wirk-lich die Bezeichnung Großes verdient. Seine Versicherungist aber der einzige Beweis, den er für diesen wichtigsten Punkterbringt. Er nennt sich vorurtheilsfrei. Man kann ihm zu-geben, daß er frei von Vorurtheilen ist, aber er ist leider auchfrei von den Vorkennluissen, die allein berechtigen, über psy-chologische Erscheinungen, die selbst dem Laien als ungewöhn-lich auffallen, sich eine Meinung zu bilden und diese mit Selbst-bewußtsein vorzutragen. Besäße er diese Vorkenntnisse, sowüßte er z. B., daß Tolstoi, der „den Kommenden führend dieWege weisen" soll, der bloße Abklatsch einer Menschengattungist, die in jedem Zeitalter Vertreter gehabt hat. Lombroso') führtbeispielsweise einen gewissen Knudsen an, einen Verrückten,der um l 680 in Schleswig lebte und „behauptete, daß es wederGott noch Hölle gebe; daß Priester und Richter unnütz undschädlich seien und die Ehe eine Unsittlichkeit sei; daß der Menschmit dem Tode aufhöre; daß Jeder sich von seiner Innern Ein-sicht müsse leiten lassen u. s. w." Hier haben wir die Haupt-bestandtheile der Tolstoischen Weltanschauung und Sittenlehre.Knudsen hat aber „den Kommenden" so wenig „führend denWeg gewiesen", daß er nur noch als ein lehrreicher Fall vonSeelenstörung in Büchern über Geisteskrankheiten lebt.
Die Wahrheit ist, daß alle geistigen EigenthümlichkeitenTolstois auf die bestbekannten und meistbeobachteten Stig-mate der höhern Entartung zurückgesührt werden können. Ererzählt von sich selbst^): „Der Skeptizismus brachte mich zueiner Zeit einem Zustande nahe, der an Wahnsinn grenzte
') Lombroso, Genie und Irrsinn. S. 2öL. Fußnote.
2 ) Löwenfeld, a. a. O. S. 39.
Nord au, Entartung.