Der Mysticismus.
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gestellt wurden." Am dritten Tage endlich empört Al-bert sich gegen den Zwang, dem er sich unterworfen glaubt.„Sie dürfen mich hier nicht festhalten!" schreit er. „MeinPaß ist in Ordnung, ich habe Ihnen nichts gestohlen,Sie können mich untersuchen, zum Polizeimeister werde ichgehen." Der Diener Sachar sucht ihn zu begütigen. Albertwird immer wüthender und „schreit plötzlich aus vollem Halse:Wache!" Delessow läßt ihn laufen und Albert „geht, ohneAbschied zu nehmen und indem er beständig unverständlichesZeug vor sich hinmurmelte, zur Thür hinaus."
Delessow hat Albert zu sich genommen, weil ihm derAnblick des in der russischen Winterkälte zitternden, mangelhaftbekleideten, krankhaft blassen Künstlers schmerzlich war. Alser ihn in seiner warmen Wohnung, vor einem reich gedecktenTische, in seinem eigenen, schönen Schlafrock sah, war Delessowmit sich zufrieden und froh. War aber auch Albert cs? Tol-stoi bezeugt uns, daß Albert sich in der neuen Lage vielunglücklicher fühlte als früher, so unglücklich, daß er sie baldnicht ertragen konnte und sich mit einem Wuthausbruche ausihr befreite. Wem hat nun Delessow wohlgethan? Sichoder Albert?
In dieser Erzählung handelt es sich um einen geistes-gestörten Menschen und einem solchen muß man allerdingsmanchmal eine Wohlthat, die er als das nicht begreifen undempfinden kann, gewaltsam aufnöthigen, freilich folgerichtiger,ausdauernder und vorsichtiger als Delessow. In einer andernGeschichte desselben Bandes aber, „Aus dem Tagebuche desFürsten Nechljudow, Luzern," tritt das Unsinnige einer Näch-stenliebe, die sich um die wirklichen Bedürfnisse des Nächstennicht kümmert, noch viel schärfer und ohne jede Entschuldigunghervor.
Fürst Nechljudow hat an einem herrlichen Juli-Abendevor dem „Schweizer Hof" in Luzern einen Straßensänger