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1 (1892)
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Dev MysticiSmus.

die Stärkeren, so wäre die Gesellschaft und bald die Mensch-heit selbst nothwendigerweise dem Untergange geweiht.

Außer dem negativen Lehrsätze, daß man sich dem Bösennicht widersetzen solle, hat Tolstois Moral auch einen positiven:man soll alle Menschen lieben, ihnen Alles, auch das eigeneLeben, opfern, ihnen Gutes thun, wo man kann.Es istnöthig, zu verstehen, daß der Mensch, wenn er das Gute thut,nur das thut, wozu er verbunden ist, was er nicht ungethanlassen kann. . . Wenn er sein fleischliches Leben hingibt fürdas Gute, so thut er nichts derart, dafür er bedanke und be-lohnt sein müßte. . . Nur die leben, die das Gute thun."(Kurze Darlegung des Evangelium.")Nicht das Almosenist wirksam, sondern die brüderliche Theilung. Wer zweiMäntel hat, soll einen dem geben, der keinen hat." (Wassoll man thun?") Diese Unterscheidung zwischen Almosen undTheilung kann nicht ernstlich aufrecht erhalten werden. JedeGabe, die ein Mensch von einem andern Menschen ohneArbeit, ohne Gegenleistung erlangt, ist ein Almosen undein solches ist tief unsittlich. Den Kranken, den Alten, denSchwachen, der nicht arbeiten kann, müssen die Mitmenschennähren und Pflegen, das ist ihre Pflicht, aber auch ihr natür-licher Drang. Allein den arbeitsfähigen Menschen zu beschenkenist unter allen Umständen eine Sünde und ein Selbstbetrug.Findet der Arbeitsfähige keine Arbeit, so liegt dies offenbaran einem Mangel in den wirthschaftlichen Einrichtungen derGesellschaft und jeder Einzelne hat die Pflicht, ernst an derBeseitigung dieses Mangels mitzuarbeiten, nicht aber, dessenFortbestehen zu erleichtern, indem er das Opfer der fehlerhaftenVerhältnisse durch eine Gabe noch eine Weile begütigt; dasAlmosen hat in diesem Falle nur den Zweck, das Gewissen desGebers zu betäuben und ihm eine Ausrede zu liefern, weshalber sich seiner Pflicht entzieht, erkannte Schäden der Gesellschafts-ordnung zu heilen. Ist aber der Arbeitsfähige arbeitsscheu,