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Der Mysticismus.
satze des christlichen Glaubens der Menge, nämlich beim Pan-theismus, eingekehrt ist. Die Antwort der „Weisen", daß er„eine zufällige Verkettung von Theilchen sei und dem Lebenkeine Bedeutung innewohne", hat ihn „fast zum Selbstmordegetrieben", dagegen ist er vollkommen ruhig in der Erkeuntniß,daßi) „das wahre Leben . . . nicht das Leben, das vergangenist oder sein wird, sondern das Leben im Jetzt ist, das wasan Jeden in der gegenwärtigen Minute herantritt", — leugnetin „Meine Religion" ausdrücklich die Auferstehung des Leibesund die Individualität der Seele und merkt nicht, daß seineihn voll befriedigende Lehre ganz dieselbe ist wie die der„Weisen", die ihn „fast zum Selbstmorde getrieben." Dennwenn das Leben blos Gegenwart ist, so kann es keinen Zweckhaben, da dieser in die Zukunft hinausweist, und wenn derLeib nicht aufersteht und die Seele kein individuelles Daseinhat, so haben die „Weisen" ganz Recht, den Menschen eine(allerdings nicht zufällige, sondern nothwendige, weil ursäch-lich bedingte) „Verkettung von Theilchen" zu nennen.
Tolstois Weltanschauung, die Frucht der verzweifluugs-vollen Denkarbeit seines ganzen Lebens, ist also nichts alsNebel, Unverständniß seiner eigenen Fragen und Antwortenund hohler Wortschwall. Mit seiner Moral, aus die er selbstein weit größeres Gewicht legt als auf seine Philosophie, istes nickt viel besser bestellt als mit dieser. Er faßt sie^) infünf Gebote zusammen, von denen das wichtigste das vierteist: „Sich dem Bösen nicht widersetzen, Unrecht leiden undmehr thun, als die Menschen fordern, also nicht richten undnicht richten lassen. . . Sich rächen lehrt nur sich rächen."Sein Bewunderer Voguä drückt die Sittenlehre Tolstois indieser Form aus^): „Widersteht nicht dem Bösen — richtet
') Tolstoi, Kurze Darlegung u. s. w. S. 128.
2 ) Kurze Darlegung, S. 60.
3) de Vogue, a. a. O. S. 333.