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1 (1892)
Entstehung
Seite
235
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Der Mysticismus.

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mit einem Fehlbetrag von Befriedigungen schließen sieht.Das Glaubensargument hat unzweifelhaft im Geiste desGläubigen wie übrigens das Pflicht- und Ehrargument imGeiste des Ungläubigen eine überredende Kraft und mußselbst als aktiver Posten in Rechnung gestellt werden. Aberes hat eben auch nur einen endlichen Werth und kann nurseinen eigenen Betrag an Leiden, nicht aber mehr, aufwiegen.

Aus diesen Betrachtungen ergibt sich, daß die furchtbareFrage:Wozu lebe ich?" die Tolstoi beinahe zum Selbst-morde getrieben hat, ohne Schwierigkeit befriedigend zu beant-worten ist. Der Gläubige, der annimmt, daß sein Lebeneinen Zweck haben müsse, wird nach seinen Neigungen undKräften leben und sich sagen, daß er auf diese Weise das ihmzugetheilte Stück Weltarbeit richtig leistet, auch ohne dessenletzte Ziele zu kennen, wie ja auch ein Soldat an dem Punkteder Walstatt, auf den er gestellt ist, willig seine Schuldigkeitthut, ohne von dem allgemeinen Gange der Schlacht und ihrerBedeutung für den ganzen Feldzug auch nur eine Ahnung zuhaben. Der Ungläubige, der überzeugt ist, daß sein Lebenein Einzelsall des All-Lebens der Natur, daß seine Persönlich-keit als nothwendige, gesetzmäßige Wirkung der ewigen orga-nischen Kräfte ins Dasein erblüht ist, weiß auch sehr genau,,nicht nur, weshalb, sondern auch, wozu er lebt: er lebt, weilund so lang ihm das Leben eine Quelle von Befriedigungen,das heißt von Freude und Glück ist.

Hat Tolstoi bei seinem verzweifelten Suchen eine andereAntwort gefunden? Nein. Den Aufschluß, den ihm sein Grübelnund Forschen nicht bot, gab ihm, wie wir in der oben ange-führten Stelle derBeichte" gesehen haben,die ungeheureMehrheit der Menschen, die . . . arbeitet und leidet und den-noch ruhig und über den Zweck des Lebens im Klaren ist."Ich begriff," fügt er hinzu,daß man wie diese Menge leben^zu ihrem einfachen Glauben zurückkehren müsse." Der Schluß-