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Der MysticiSmus.
Wonnen entschieden über die Schmerzen vor und er empfindetdas Leben nicht als ein Uebel, sondern als ein hohes Gut.Im krankhaft gestörten Organismus bestehen entartete Triebe,die nicht befriedigt werden können oder deren Befriedigung dasIndividuum schädigt oder zerstört, oder der entartete Organis-mus ist zu schwach oder ungeschickt, um selbst die berechtigtenTriebe zu befriedigen; in seinem Leben herrschen nothwendigdie Schmerzen vor und er empfindet das Dasein als ein Uebel.Meine Deutung des Lebensräthsels ist mit der wohlbekannteneudämonistischen nahe verwandt, aber sie ist auf biologische,nicht metaphysische Grundlage gestellt. Sie erklärt Optimismusund Pessimismus schlicht als ausreichende und unzulänglicheLebenskraft, als vorhandenes und fehlendes Anpassungsver-mögen, als Gesundheit und Krankheit. Die unbefangene Beo-bachtung des Lebens zeigt, daß die ganze Menschheit bewußtoder unbewußt auf demselben philosophischen Standpunkte steht.Die Menschen leben gern, und eher stillvergnügt als traurig,so lange das Dasein ihnen Befriedigungen gewährt. Sind dieLeiden stärker als das Lustgefühl, das die Befriedigung desersten und wichtigsten aller organischen Triebe, des Lebens-oder Selbsterhaltungs-Triebes, gewährt, so zögern sie nicht, sichzu tödten. Wenn Fürst Bismarck einmal sagte: „Ich weißnicht, weshalb ich alles Ungemach des Lebens tragen sollte,wenn ich nicht an Gott und Jenseits glauben würde", — sozeigte er blos, daß er von den Fortschritten des menschlichenDenkens seit Hamlet, der ungefähr dieselbe Frage stellte, nurungenügende Kenntniß genommen hat. Er trägt das Ungemachdes Lebens, weil und so lange er es tragen kann, und er wirftes unfehlbar in dem Augenblick ab, in welchem seine Kraftnicht mehr ausreicht, es zu tragen. Darum lebt der Ungläu-bige und ist fröhlich, so lange die Süßigkeiten im Leben vor-wiegen, und darum wird auch der Gläubige, wie die Erfahrungtäglich lehrt, zum Selbstmörder, wenn er seine Lebensrechnung