Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
231
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Der Mysticismus.

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Wie er zu diesem Ergebnisse gelangt ist, das erzählt erinMeine Beichte."Ich verlor früh den Glauben. Ichlebte eine Zeit lang wie alle Übrigen, von den Eitelkeiten desLebens. Ich schrieb Bücher und lehrte, wie die Anderen, wasich nicht wußte. Dann fing die Sphinx an, mich immer grau-samer zu verfolgen: errathe mein Räthsel oder ich zerreiße dich.Die Wissenschaft hat mir gar nichts erklärt. Auf meine ewigeFrage, die einzige, die etwas bedeutet: wozu lebe ich? gabmir die Wissenschaft Antworten, welche mich Anderes lehrten,was mir gleichgiltig war. Die Wissenschaft sagte mir blos . . .:das Leben ist ein sinnloses Übel. Ich wollte mich tödten.Endlich hatte ich den Einfall, zuzusehen, wie die ungeheureMehrheit der Menschen lebt, die, welche sich nicht wie wir, diesogenannten höheren Klassen, dem Grübeln und Forschen hin-gibt, sondern arbeitet und leidet und dennoch ruhig und überden Zweck des Lebens im Klaren ist. Ich begriff, daß manwie diese Menge leben, zu ihrem einfachen Glauben zurückkeh-ren müsse."

Wenn man sich mit diesem Gedankengang ernsthaft beschäf-tigen will, so erkennt man sofort, daß er unsinnig ist. DieFragestellung:Wozu lebe ich?" ist eine fehlerhafte und ober-flächliche. Sie setzt den Zweckbegrisf in der Natur stillschwei-gend voraus und gerade an dieser Voraussetzung hat der wirk-lich nach Wahrheit und Erkenntniß dürstende Geist seine Kritikzu üben.

Um zu fragen:Was ist der Zweck unseres Lebens?"müssen wir doch vor Allem annehmen, daß unser Leben einenbestimmten Zweck hat, 'und da unser Leben nur eine Einzel-erscheinung im Gesammtleben der Natur, in der Entwickelungunserer Erde, unseres Sonnensystems, aller Sonnensysteme ist,so schließt diese Annahme die weitere in sich, daß das Gesammt-leben der Natur einen bestimmten Zweck hat. Diese Annahmesetzt wieder nothwendig das Walten eines bewußten, vorausden-