Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
223
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Der Mysticismus.

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Einschreibung eines Sinnbildes in eine Menschengestalt" be-deute. Unmystisch ausgedrückt heißt das, daß in den Dichtungender Symbolisten die einzelne Menschengestalt nicht blos ihreSonderart und ihr zufälliges Schicksal bedeuten, sondern einenverbreiteten Menschentypns darstellen und ein allgemeines Le-bensgesetz verkörpern soll. Diese Eigenschaft kommt indeßnicht blos den symbolistischen, sondern allen Dichtungen zu.Kein wirklicher Dichter hat noch den Drang empfunden, einegänzlich beispiellose, nur einmal vorkommende Anekdote oderein ungeheuerliches, in der Menschheit seines Gleichen nichtfindendes Wesen zu behandeln. Was ihn an den Menschenund an den Schicksalen fesselt, das ist gerade ihr Zusammen-hang mit der ganzen Menschheit und mit den allgemeinen Ge-setzen des Menschenlebens. Je deutlicher im Einzelgeschick dasWalten der allgemeinen Gesetze sichtbar wird, je mehr vondem, was in allen Menschen lebt, im Einzelmenschen verkörpertist, umso anziehender werden dieser und jenes für den Dichter.Es gibt im ganzen Schriftthum der Menschheit kein einzigesanerkannt bedeutendes Werk, das nicht in diesem Sinnesymbolisch wäre, in welchem nicht die Menschen, ihre Leiden-schaften und Geschicke eine über ihren Einzelfall weit hinaus-gehende typische Bedeutung hätten. Es ist also eine thörichteAnmaßung der Symbolisten, diese Eigenschaft blos für dieWerke ihrer Richtung in Anspruch zu nehmen. Sie beweisenübrigens, daß sie ihre eigene Formel gar nicht verstehen, denwdieselben Theoretiker der Schule, die von der Dichtung fordern,daß sieein in eine Menschengestalt eingeschriebenes Sinn-bild" sei, erklären zugleich, daß nurder seltene, einzigeFall",Io oa.8 rnro, uni^us", den Dichter zu beschäftigen ver-diene, also gerade der Fall, der nichts als sich selbst bedeutet,folglich das Gegentheil eines Sinnbildes ist.^)

') Es sei mir gestattet, hier daran zu erinnern, daß ich schon imJahre l88?>, also vor der Verkündigung des angeblichen symbolistischen