Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
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Der Mysticismus.

der schriftstellerischen Parteien auf die Seite der Stärkerenund Siegesgewisseren zu schlagen, theils auch blos aus Mode-thorheit und in Folge der Wirkung des geräuschvoll auf-tretenden Neuen auf unkritische Geister angeschlossen haben.Nicht so schwachsinnig wie die Führer, empfanden sie dasBedürfniß, dem WorteSymbolismus" einen gewissen Inhaltzu geben, und stellten tatsächlich eine Anzahl Sätze auf,von denen sie sich bei ihrem Schaffen leiten zu lassen vor-geben. Diese Sätze sind deutlich genug, daß man sich aufihre Erörterung einlassen kann.

Die Symbolisten fordern größere Freiheit in der Be-handlung des französischen Verses. Sie lehnen sich gegenden alten Alexandriner mit der Cäsur in der Mitte unddem nothwendigen Schluffe des Satzes am Ende, gegen dasVerbot des Hiatus, gegen das Gesetz des regelmäßigenWechsels männlicher und weiblicher Reime stürmisch auf.Sie wenden voll Trotz denfreien Vers" von willkürlicherLänge und beliebigem Rhythmus und den unreinen Reiman. Der Fremde kann über die wilden Geberden, mit denendieser Kampf geführt wird, nur lächeln. Es ist ein Kriegvon Schulkindern gegen ein gehaßtes Buch, das feierlich inStücke zerfetzt, mit Füßen getreten und verbrannt wird. Derganze Streit um die Prosodie und Reimregeln ist so zusagen eine innerfranzösische Angelegenheit und ohne jede Be-deutung für die Weltliteratur. Wir haben schon längst Alles,was die französischen Dichter erst mit Barrikaden und Straßen-gemetzel erringen wollen. Wir besitzen in GoethesPrometheus",Mahomets Gesang",Harzreise im Winter", in HeinesNordsee-Cyklus" u. s. w. vollendete Muster des freien Verses,wir verschränken die Reime, wie wir wollen, wir lassenmännliche und weibliche einander folgen, wie es uns gutdünkt, wir binden uns nicht an das strenge Gesetz altklassischerMaße, sondern lassen im wiegenden Gang unseres Verses