Der Mysticismus.
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Primitiven, doch klingt hier auch der Morgengruß aus dem „Uur-Aatorio" (30.Gesang), „Nanidns o ckats liiia plonis", leise mit.Er bezeichnet die Geliebte mit dem anglonormännischen Worte„äainoWl." Dadurch macht er die scharfen Umrisse der Vor-stellung eines Mädchens oder Fräuleins künstlich verschwom-men und hüllt das klare Bild in Wolkenschleier. Bei demWorte „Mädchen" würde man eben nur an ein Mädchen den-ken und an sonst nichts. Bei „äarnoMl" erwachen im Be-wußtsein des englischen Lesers dunkle Vorstellungen von schlan-ken Edelfräulein auf verschossenen alten Tapeten, von hoch-müthigen normännischcn Pauzerrittern, von etwas Entferntem,Uraltem, Halbvergessenem; „ckainoMl" rückt die zeitgenössischeGeliebte in die geheimnißvollen Tiefen des Mittelalters zurückund vergeistigt sie zu einer Zaubergestalt der Ballade. Dieseseine Wort erweckt alle die Dämmerstimmungen, welche dieGesammtheit der romantischen Dichter und Schriftsteller inder Seele des zeitgenössischen Lesers als Niederschlag zurück-gelassen haben. In die Hand der „ckamorisl" legt Rossettidrei Lilien, um das Haupt flicht er ihr sieben Sterne. DieseZahlen sind natürlich nicht zufällig. Sie gelten seit den ältestenZeiten für geheimnißvoll und heilig. Die „drei" und die „sie-ben" sind Hinweise auf etwas Unbekanntes und Tiefsinniges,das der ahnende Leser zu begreifen versuchen möge.
Man sage nicht, daß meine Kritik der Mittel, mit welchenRossetti seine eigenen traumhaften Geisteszustände auszudrückenund im Leser ähnliche hervorzurufen sucht, sich eigentlich gegenalle Lyrik und die Dichtung überhaupt wende und daß ich dieseverurtheile, wenn ich jene als Ausfluß mystischer Geistesschwächehinstelle. Gewiß ist es eine Besonderheit aller Dichtung,Worte zu gebrauchen, die neben den in ihnen enthaltenen be-stimmten Vorstellungen auch Emotionen Wecken und in dasBewußtsein hereinklingen machen sollen. Aber das Verfahreneines gesunden Dichters ist von dem eines mystisch Geistes-