Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
133
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Der Mrsticismiis.

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nicht das Vcrmuthete, das Wirkliche, nicht das Möglicheund Wahrscheinliche, das Konkrete, nicht das Abstraktezum Gegenstände. Von der Erscheinung die einen Züge alsunwesentlich und zufällig ausschließen und die anderen als we-sentlich und nothwcndig beibehalten heißt die Erscheinung ansein Schema zurückführen. Die Aufgabe der Kunst ist abernicht das Schematisiren, sondern das Judividualisiren. Einmal,weil das Schema eine Vorstellung von dem Gesetze, welchesdie Erscheinung bestimmt, zur Voraussetzung hat, weil dieseVorstellung irrig sein kann, weil sie mit den herrschendenwissenschaftlichen Theorien wechselt, der Maler aber keine wech-selnden wissenschaftlichen Theorien, sondern Sinneseindrückewiedergibt, und zweitens, weil das Schema Gedankenarbeit undnicht Emotion erregt, die Aufgabe der Kunst aber das Erregenvon Emotion ist.

Die Präraphaclitcn hatten jedoch keinen Sinn für dieseWiderspruche und sie folgten blind allen Weisungen Nuskins.Sie schematisirten die Menschengestalt, aber sie gaben alles Ne-benwerk treu wieder und hatten nicht dieFrechheit, Unfähigkeitoder Trägheit", etwas daran zu ändern. Sie malten mit größterGenauigkeit die Landschaft, in der ihre Personen standen, unddie Gegenstände, die sic umgaben. Der Pflanzenknndige kannjedes Gras, jede Blume bestimmen, der Tischler die Verzapfungoder Leimung jedes Fußschemels, die Holzart, die Firnissungder Möbel erkennen. Und zwar ist diese gewissenhafte Deutlichkeitganz dieselbe im Vordergründe wie im äußersten Hintergründe,wo nach den Gesetzen der Optik die Dinge kaum mehr wahr-nehmbar sein sollten.

Diese gleichmäßig deutliche Wiedergabe aller Erscheinungeneines Sehfeldes ist der malerische Ausdruck der Unfähigkeitzur Aufmerksamkeit. Im Denken unterdrückt die Aufmerksam-keit einen Theil der (durch Jdeen-Assoziation oder Wahrneh-mung) ins Bewußtsein gclangeuden^Vorstellungen und läßt nur