Der Myslicisnms.
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zugleich durch reiu malerische Eigenschaften ausgezeichnet ist,läßt Jeden kalt, dem die Anekdote an sich glcichgiltig ist, dasheißt, dem sie auch dann gleichgiltig wäre, wenn sie ihm nichtmit den Mitteln der Malerei vorgetragen, sondern etwa ein-fach erzählt wurde. Ein russisches Heiligenbild bewegt denMushik und läßt den Kunstkenner des Westens kalt. ^ Ein Bild,das einen französischen Sieg über preußische Truppen darstellt,würde französische Philister selbst dann rühren und erfreuen,wenn es im Stile von Neu-Nuppin gemalt wäre.
Gewiß: es gibt eine Malerei, die nicht Eindrücke desGesichtssinnes und die von ihnen unmittelbar erregten Emo-tionen sesthalten und im Beschauer wachrnfen, sondern Gedan-ken ausdrücken will und in der das Bild nichr durch sich selbst,durch seine eigene Kunstvollendung, sondern durch seinen geisti-gen Inhalt wirken soll; aber diese Malerei hat einen besonder»Namen: sie heißt Schrift; die Zeichen, die keinen malerischen,sondern blos einen sinnbildlichen Werth haben sollen, bei denenwir von der Form absehen, um nur bei der Bedeutung zuverweilen, diese Zeichen nennen wir B-chstaben ; und die Kunst,welche sich solcher Sinnbilder zum Ausdrucke geistiger Vorgängebedient, ist nicht die Malerei, sondern die Dichtung. Ursprüng-lich war ja in der That das Bild ein Mittel der Gedanken-Versinnlichung und sein Schönheitswerth kam erst in zweiterReihe, nach seinem Ausdrucksfähigkeits-Werthe, in s Betracht;andererseits spielen auch noch heute bei unserer Schrift ästhe-tische Eindrücke leise mit und eine schöne Handschrift wirkt,vom Inhalte ganz abgesehen, angenehmer als eine häßliche.Aber schon in den Anfängen ihrer Entwickelung schied sich dieMalerei, die blos ästhetische Bedürfnisse befriedigen sollte, vonder Schrift, welche der Gedanken-Versinnlichung dient, ausder Schildere! wurde die Hieroglyphe, die demotische Schrift,der Buchstabe, und erst Ruskin war es Vorbehalten, eine Un-terscheidung wieder aufheben zu wollen, die sechstausend Jahre
Norvau, Entartung. o