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1 (1892)
Entstehung
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Der Mysticismus.

haben, welches eine religiöse Vorstellung ausdrückt. Ruskürerwägt nicht oder übersieht absichtlich, daß die Lustgefühle,welche bei der Betrachtung eines Gemäldes entstehen, unmittel-bar nicht durch dessen Gedanken-Inhalt, sondern durch dessensinnliche Erscheinung angeregt werden. Die Malerei erwecktmit ihren Mitteln: Farbe und Zeichnung (diese ist das genaueErfassen und Wiedergeben von Unterschieden der Lichtstärke),erstens eine rein sinnlich angenehme Empfindung schöner Einzel-farben und glücklich zusammengestimmter Farben-Harmonien, siegibt zweitens eine Illusion der Wirklichkeit und mit ihr zusammendas höhere, geistigere Vergnügen des Erkennens der darge-stellten Erscheinungen und des Verstehens der Absicht desKünstlers, sie läßt drittens die Erscheinungen mit den Augendes Künstlers sehen und an ihnen Einzel- oder Gesammtzügeerkennen, die der nicht künstlerisch begabte Beschauer bis dahinselbst nicht wahrzunehmen vermocht hat. Der Maler wirktalso nur insofern mit den Mitteln seiner eigenen Kunst, alser den Farbensinn angenehm erregt, dem Geiste die Illusionder Wirklichkeit und zugleich das Bewußtsein, daß es Illusionist, gibt und durch sein tieferes und schärferes Sehen dem Be-schauer verborgene Reichthümer der Erscheinung erschließt. Wennaußerdem auch der Vorwurf, dieAnekdote" des Bildes ans denBeschauer eine Wirkung macht, so ist das nicht mehr das Ver-dienst des Malers als solchen, sondern des nicht ausschließlichmalerischen Verstandes, der den Stoff gewählt und den eigent-lich malerischen Fähigkeiten zur Darstellung überliefert hat.Die Wirkung der Anekdote ist nicht mit den Mitteln der Ma-lerei hervorgebracht. Sie hat nicht die Freude des Beschauersan der Farbe, an der Wirklichkeits-Illusion, am bessern Er-fassen der Erscheinung zur Grundlage, sondern irgend eine vor-bestehende Neigung, eine Erinnerung, ein Vorurtheil. Ein male-risches Bild, die Mona Lisa des Lionardo, entzückt Jeden, dessenAuge genügend erzogen ist. Ein anekdotisches Bild, das nicht