Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
109
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Der Myslicisnms.

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cadabra, bei einem Eigennamen, bei einer gefiedelten Weiseetwas, aber freilich etwas Unbestimmtes oder etwas Unsinnigesoder etwas Willkürliches. Es ist ein gänzlich aussichtlosesBemühen, durch das Wort einem Menschen neue Vorstellungenzu geben und den Kreis seiner Hellen Erkenntniß zu erweitern.Es kann immer nur Vorstellungen wachrufen, die er schon be-sitzt, und in letzter Linie arbeitet Jeder doch blos mit demVorstellungsstosfe, den er durch aufmerksame Selbstbeobachtungder Welterscheinuug erworben hat. Dennoch kann er auf dieAnregungen nicht verzichten, die ihm die Sprache zuträgt. DerDrang, das Ganze der Welterscheinung lückenlos zu begreifen,ist unwiderstehlich, die Gelegenheit zu persönlichen Wahrneh-mungen selbst im günstigsten Falle beschränkt. Was wirnun nicht selbst erfahren haben, das lassen wir uns von denAnderen, den Todten und Lebenden, sagen. Das Wort mußuns die unmittelbaren Sinneseindrücke ersetzen. Ein Sinnes-eindruck ist es selbst ja auch und unser Bewußtsein istgewohnt, diesen Eindruck den anderen gleichzusetzen, dieVorstellung, die das Wort erweckt, jenen Vorstellungengleich zu bewerthen, die wir durch gleichzeitiges Zusammen-wirken aller Sinne, durch allseitiges Betrachten und Betasten,Rücken und Heben, Behorchen und Beriechen des Dingesselbst erlangt haben. Diese Gleichbewerthung ist aber einDenkfehler. Sie ist in allen Fällen falsch, wenn das Wortmehr thun soll als daZ Erinnerungsbild einer durch eigeneWahrnehmung erworbenen Vorstellung oder eines aus derar-tigen Vorstellungen zusammengesetzten Begriffes ins Bewußt-sein zu rufen. Wir begehen diesen Denkfehler jedoch alle.Wir vergessen, daß die Sprache von der Gattung blos als einMittel der Verständigung zwischen den Individuen ausgebildetwurde, daß sie eine soziale Funktion, nicht aber eine Quelle der Er-kenntniß ist. Das Wort ist in Wirklichkeit eher eine Quelle desJrrthums. Denn nicht was er gehört und gelesen hat und