Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
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Der Mysticismus.

gespenstische Vorstellungen ohne Umrisse und sonstige Eigen-schaften und um sie auszudrücken gebraucht er entweder be-kannte Worte, denen er einen ganz andern als den aller Weltgeläufigen Sinn gibt, oder er empfindet das Unzulänglichedes von Gesunden geschaffenen Sprachschatzes und schmiedetsich neue, eigene Worte, die dem Fremden überhaupt unver-ständlich sind und deren wolkig chaotischer Inhalt nur ihmbekannt ist, oder endlich er faßt die verschiedenen Deutungen,welche er seinen unförmlichen Vorstellungen gibt, in ebensoviele Worte und bringt dann jene verblüffenden Nebeneinander-stellungen von einander ausschließenden, vernünftig in keinerWeise zu vereinigenden Ausdrücken zu Stande, die für denMystiker so bezeichnend sind. Er spricht dann, wie die deut-schen Mystiker des 17. und 18. Jahrhunderts, vomkaltenFeuer" der Hölle und demdunkeln Lichte" Satans, öder-er sagt wie der Degenerirte der 28. Krankengeschichte Legrainsi),daß ihm Gott in der Gestalt leuchtender Schatten erscheine,"oder er bemerkt, wie ein anderer Kranker L-grains?):Siehaben mir einen unwandelbaren Abend (soirös immrmblö)verschafft."

y Refrain, a. a. O. S. 177.

2) 1-SArn.w, a. a. O. S. 156.

2) In dem Kapitel, das von den französischen Neomystikern handelt,werde ich eine Blumenlese solcher Verknüpfungen von nnzusammenhängen-den oder einander ausschlicßenden Ausdrücken geben, die vollkommen denvon Legrain angesütirten Proben der Redeweise erklärter Geisteskrankergleichzustcllen sind. Hier sei nur noch eine Stelle aus W- E. M. de VoguS,Iiö Roman Rrmss«, Paris, 1888, wiedergegeben, in welcher dieser mystischeSchriftsteller, unbewußt und ungewollt, die Schattenhastigkeit und Leereder mystischen Redeweise vortrefflich kennzeichnet, freilich auch als Vorzugrühmt.Ein Zug", sagt er, (S. 215),ist ihnen" lgewisscn russischenSchriftstellern)gemein: die Kunst, mit einer Zeile, einem Worte, un-endlichen Widerhall, Reihen von Gefühlen und Gedanken zu erwecken. . .Die Worte, welche Sie auf diesem Papier lesen, scheinen nicht in Länge,sondern in Tiefe geschrieben zu sein. Sie schleppen dumpfe Nachklänge