Der Mysticismus.
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Die Unfähigkeit, den mehr geahnten als wahrgenommenen Gegen-stand zu erkennen, erfüllt mit Unruhe und Angst. Das istdenn auch der Seelenzustand des Geschwächten angesichts seinerGrenzvorstellungen. Er glaubt in ihnen hundert Dinge zu-gleich zu sehen und er bringt alle Formen, die er scheinbar be-merkt, mit der Hauptvorstellung in Zusammenhang, welche jeneangeregt hat. Er hat aber sehr wohl die Empfindung, daßdieser Zusammenhang ein unbegreiflicher und unerklärlicher ist.Er verknüpft Vorstellungen zu einem Gedanken, der zu allenErfahrungen in Widerspruch steht, den er aber dennoch alsgleichwerthig mit allen seinen übrigen Gedanken und Urtheilenbetrachten muß, weil er aus dieselbe Weise zu Stande kommtwie sie. Und wenn er sich selbst klar machen will, welchenInhalt sein Urtheil eigentlich hat, aus welchen einzelnenVorstellungen es sich zusammensetzt, so bemerkt er, daß dieseVorstellungen thatsächlich keine sind, sondern unerkennbareSchatten von Vorstellungen, denen er vergebens einen Namenzu geben versucht. Diese Geistesverfassung nun, in welcherman zu sehen sich anstrengt und zu sehen glaubt, aber nichtsieht, in welcher man Gedanken aus Vorstellungen bilden muß,die das Bewußtsein narren und necken wie Irrlichter oderDünste über Sümpfen, in welcher man zwischen deutlichenErscheinungen und vieldeutigen, formlosen Schemen nicht zuverfolgende Beziehungen wahrzunehmen sich einbildet, dieseGeistesverfassung ist es, welche man Mysticismus nennt.
Dem schattenhaften Denken des Mystikers entspricht seineverwaschene Ausdrucksweise. Das Wort, selbst das abstrakteste,hat eine konkrete Vorstellung oder einen aus den gemeinsamenEigenschaften verschiedener derartiger Vorstellungen gebildeten,immer noch seinen konkreten Ursprung verrathenden Begriffzum Inhalte. Für das, was man wie durch Qualm ohneerkennbare Form zu sehen glaubt, hat keine Sprache einWort. Der Mystiker hat aber in seinem Bewußtsein derartige